Terminator: Future Shock - was für ein Retro-Flash!
Ihr wisst ja: Ich hänge ziemlich an den alten Sachen. Und gerade in diesen Tagen war ich wieder mal ziemlich nostalgisch unterwegs und dachte an die Zeit Mitte/Ende der Neunziger. Ich hatte mir gerade einen Highscreen-PC gegönnt. Einen Pentium mit 133 MHz. Die genauen Daten habe ich nicht mehr parat, aber ich weiß noch, dass ich dem Gerät eine ATI-Grafikkarte mit 4 MB DRAM spendiert hatte. Und eines Tages landete "Terminator: Future Shock" auf meiner Festplatte. Ich hatte das Spiel eigentlich gar nicht richtig auf dem Schirm gehabt, aber ich muss zugeben, dass mich schon die Eröffnungsgrafik ziemlich abräumte:
Wenn ich mal ganz generell an diese Jahre zurückdenke, dann war das schon eine ziemlich geile Zeit. Klar, beruflich und finanziell ging bei mir so ziemlich alles drunter und drüber. Aber die Games waren wirklich legendär. "Need for Speed" - damals noch unter dem Titel "Road & Track presents the need for speed"; ich erinnere mich noch daran, wie ich mit einem MX-5 losgezuckelt bin, einfach nur, um mir die "ultrarealistische" Landschaft anzuschauen. "Descent" - selbst heute noch hochinteressant. "Destruction Derby" - ein Knaller von Psygnosis. "Command & Conquer". "Tomb Raider 2". Ich könnte die Liste noch eine ganze Weile weiterführen.
Und eben "Terminator: Future Shock". Ich kannte ja schon eine Reihe von Egoshootern, doch ich kannte noch keinen, bei dem mit der Maus frei gezielt werden konnte. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Und dann auch noch so eine grandiose Umsetzung des Franchises! Gewissermaßen genau das, was wir damals im Kino unbedingt hätten sehen wollen. Als wir es dann später mit "Terminator: Salvation" zu sehen bekamen, war es doch einigermaßen ernüchternd. Nicht schlecht (ich finde den Film nämlich gar nicht so übel), aber auch nicht so supergeil, wie ich es mir beim Spielen ausgemalt hatte.
Aber gucken wir uns das Spiel doch mal ein bisschen näher an. Das Ganze stammt aus einer Softwareschmiede, die heute noch in aller Munde ist:
Richtig, Bethesda Softworks.
Die waren zu dieser Zeit schon hochaktiv und hatten bereits einige Ausflüge in das Terminator-Franchise hinter sich (und die Ausflüge ins "Elder Scrolls"- sowie "Fallout"-Universum noch vor sich).
Ich erinnere mich noch gut an den Testbericht zu einem der ersten Terminator-Spiele von Bethesda unter MS-DOS. Damals waren die Tester an der Unmenge an Tastaturbefehlen verzweifelt, während in der Spielwelt (technikbedingt) nicht allzuviel los war. Mit "Future Shock" hat Bethesda dann aber einen echten Meilenstein rausgehauen. Während Titel wie "Doom", "Rise of the Triad" oder "Star Wars: Dark Forces" noch auf skalierende Sprites setzten, kam "Future Shock" schon gleich mit schicken 3D-Polygonmodellen um die Ecke. Dazu für damalige Verhältnisse riesengroße, halboffene Levels, abwechslungsreiches Gameplay und eine schicke Hintergrundstory.
Was die 3D-Polygonmodelle angeht, mit denen die Gegner dargestellt wurden ... ich glaube, hier war Bethesda wirklich der Vorreiter. Soweit ich mich erinnere, kam "Quake", das ebenfalls auf die Darstellung von Gegnern durch Polygonmodelle setzte, erst ein halbes Jahr später, Mitte 1996, auf den Markt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis heute nicht viel Zeit in "Quake" investiert habe, weil mir das Spiel schlicht und ergreifend nicht gefällt.
Und was die Hintergrungstory betrifft: Diese spielt irgendwann nach dem Tag des Jüngsten Gerichts, aber unmittelbar vor dem Sturm der Skynet-Zentrale. Genaugenommen ist unsere Spielfigur derjenige, der diesen Sturm am Ende wohl anführen wird bzw. der Skynet zur Strecke bringen wird; allerdings erst, nachdem es Skynet gelungen ist, einen T-800 durch die Zeit zurückzuschicken. Wir beenden das Spiel also gewissermaßen "vor" dem ersten "Terminator"-Film.
Dazu gab es dann noch einen fetzigen Render-Vorspann, in dem die Vorgeschichte erzählt wird: Am "Tag des Jüngsten Gerichts" jagt Skynet die Welt in die Luft und versucht, die überlebenden Menschen mithilfe seiner Terminator um die Ecke zu bringen. Unsere Spielfigur landet in einem Todeslager, kann aber entkommen. Auf der Flucht wird der Flüchtling dann von einem sterbenden Widerstandskämpfer vor einer zudringlichen Gehmaschine gerettet. Der Widerständler bittet uns noch, einen gewissen John Connor aufzusuchen, dann haucht er sein Leben aus ... und wir stehen plötzlich mutterseelenallein und nur mit einer Eisenstange bewaffnet zwischen den Ruinen.
Mann, war das ein Flash!
Man stand plötzlich direkt in einem Film, den man nie gesehen hatte, der aber genauso aussah, wie man ihn sich vorgestellt hatte. Unzählige kleine Feuer prasseln, eine im Wind auf- und zuschwingende Tür quietscht irgendwo vor sich hin ... und überall könnte ein Terminator auf uns lauern. Das war - und ist heute noch - eine Atmosphäre, so dick, dass man sie mit einem Messer schneiden könnte. Und wir stehen mittendrin, nur mit einer bekackten Eisenstange bewaffnet. Jeder, der anno 1984 "Terminator" gesehen hatte, wusste genau, was man mit einer Eisenstange ausrichten konnte - nämlich ungefähr genau nix! Aber da liegen ja ein paar Molotow-Cocktails herum. Und hey, unser abgelebter Widerstandskumpel hatte auch noch eine MAC-10 dabei.
Auf geht's!
Das Arsenal an Kanonen erweitert sich dann nach und nach um ein Sturmgewehr, eine Shotgun, diverse Strahlenwaffen, einen Granatwerfer und einen Raketenwerfer. Dazu kommen die erwähnten Molis, Granaten und größere Sprengsätze, mit denen man gerne auch mal einen T-800 mit einem Onehitter wegblasen kann.
Und es geht richtig zur Sache! Man muss das Tiki-Hotel (nicht Motel!) suchen, dieses betreten, sich bis zum Dach durchkämpfen, auf ein anderes Gebäude wechseln, sich durch dieses wieder bis zur Straße hindurchkämpfen. Dann geht es mit einem Auto weiter bis zum Rebellenstützpunkt. Danach müssen wir ein Todeslager der Maschinen überfallen, uns durch die Kanalisation ballern, einen fliegenden Hunter-Killer klauen, mit diesem einige Stadtteile in Schutt und Asche legen und schließlich Skynet selbst zuleibe rücken.
Hach, ich könnte mich jetzt den ganzen Tag lang in Erinnerungen suhlen.
Aber da gibt's ja noch etwas, das mich ein bisschen fuchst: Tatsächlich habe ich "Terminator: Future Shock" nie zu Ende gespielt. Ende der Neunziger war ich aus dem Spiel ausgestiegen, weil ich wegen einer völlig verkorksten Steuerungsbelegung an einer Stelle nicht weitergekommen war. Hätte ich einfach mal zu einer Standard-WASD-Konfiguration gegriffen, dann wäre alles sehr viel einfacher gewesen, doch damals wusste ich noch nicht, was eine WASD-Konfiguration ist.
So bin ich beim Sprengen einer Brücke immer wieder abgenippelt. Ich musste einen Sprengsatz deponieren und mich dann durch den Unterbau der Brücke rasch zur anderen Seite begeben. Das musste schnell gehen und man musste an einer fiesen Stelle auch noch einen Abgrund überspringen. Genau das bekam ich nicht hin. Also unterbrach ist das Spiel für einige Zeit ... und dann kam irgendwas anderes. Und dann, irgendwann, ging mir der Spielstand flöten. Und dann verlor ich das Spiel aus den Augen.
Und jetzt wird's ganz verrückt: Jahrzehnte (!) später habe ich es wiederentdeckt. Diesmal war die Stelle mit der Brücke überhaupt kein Problem. Bombe aktiviert, losgerannt, gesprungen, andere Seite - bumm, fertig. Dafür bin ich dann viel, viel später an einem verzwickten Level hängengeblieben, in dem ich mit dem fliegenden Hunter-Killer unterwegs war. Und wieder ist mir der Spielstand flöten gegangen! Kaum zu glauben, aber ich habe wirklich zweimal den gleichen Scheiß verbockt.
Nun hat es mich aber wieder ein bisschen gezündet. Ich will, verdammt nochmal, dieses Spiel zu Ende bringen!
Und weil das Ding richtig gut ist und auch heute noch einen Haufen Spaß macht (Hirn aus und Feuer frei!), werde ich das jetzt nochmal angehen. Und mal sehen, vielleicht berichte ich noch ein bisschen darüber, wie es sich nun, im dritten Anlauf und mit etwas Abstand von damals spielt.
Wer es selbst einmal ausprobieren möchte, wird nicht umhin kommen, nach Abandonware Ausschau zu halten (was natürlich eine rechtliche tiefschwarze Dunkelschwarzgrauzone ist und was ich außerdem moralisch abgrundtief verwerflich finde & auf's Schärfste verurteile). Den Tipp, dass man das Ganze beispielsweise unter einer DOSBox problemlos zum Laufen bekommt, werde ich an dieser Stelle nicht geben - damit würde ich mich gegenüber den Göttern des Urheberrechts versündigen und käme in die Computerspielhölle. Aber: Es läuft auch eine Kampagne bei GOG.com, das Spiel dort in das Angebot aufzunehmen. Und ja, ich wäre jederzeit bereit, "nochmal" einige Euro dafür zu investieren!
Ihr werdet hier sicherlich noch von diesem Spiel lesen. Aber jetzt muss mich erstmal auf den Weg zum Tiki Grand Hotel machen ... der Widerstand wartet!
That’s all, folks!




