
Momentan werkele ich noch fleißig an meiner Alouette II, ebenfalls aus dem Hause Revell. Diese befindet sich auf der Zielgeraden und benötigt nur noch eine schicke Basis, auf die ich sie stellen kann. Die momentan ziemlich heftigen Temperaturen machen es mir allerings nicht gerade leicht, mich nach der Arbeit noch auf den Modellbau zu konzentrieren, sodass alles ein wenig schleppender vor sich geht. Außerdem steht wieder ein Einsatz des Begrasungsgerätes an, mit dem ich mir ja schon ein paar Stromschläge verpasst habe, bei denen Mehdi von ElectroBoom wahrscheinlich neidisch geworden wäre. Bevor ich wieder mit diesem Ding hantiere, muss ich mir zunächst ein paar Latexhandschuhe überziehen und eine Menge Mut antrinken ...
Doch in nicht allzu ferner Zukunft werde ich mit der Alouette II fertig sein - und dann muss natürlich ein neues Projekt her. Es ist zwar nicht so, als hätte ich nicht noch einen Riesenhaufen angefangener Sachen in der Pipeline. Aber hey, das soll mich ja nicht daran hindern, noch etwas anzufangen!
Ergänzende Info - HELICOM: In der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre hatten wir uns zu dritt zusammengetan und die Interessengemeinschaft "Helicom" gegründet. Dabei handelte es sich um einen Hobbykeller, den wir gemeinsam für den Modellbau nutzten. Der Themenschwerpunkt lag dabei auf Hubschraubern. Leider löste sich das Ganze dann 1998 wegen interner Streitereien auf.
Neulich saß ich in der Mittagspause da und sinnierte ein wenig über meine Zeit bei Helicom, als dort noch die Welt in Ordnung war. Ich erinnerte mich daran, dass ich seinerzeit nicht so gut bei Kasse war und mir deswegen nicht alle Modellbausätze leisten konnte, die ich gerne hätte bauen wollen. Mit diesem Gedanken im Kopf fing ich dann an, bei Ebay durch die Hubschrauberbausätze zu scrollen, in der Hoffnung, eines der alten "Schätzchen" zu entdecken. Dabei stolperte ich über die kleine Hughes 500C im Maßstab 1/32 von Revell.
Seinerzeit hatte ich diesen Bausatz völlig übersehen. Zu klein, zu unscheinbar. Eigentlich ziemlich dumm, denn diesen Baukasten hätte ich mir vermutlich ohne Weiteres leisten können. Und hey, das ist eine wirklich hübsche, kleine Maschine!
Der Verkäufer bei Ebay rief einen sehr moderaten Preis auf, also fackelte ich nicht lange und klickte auf "Sofort kaufen".
Danach kam erstmal die Recherche bei den Scalemates. Die brachte mich schon ein wenig zum Stutzen, denn tatsächlich stammt die Bausatzform ursprünglich aus dem Jahr 1969. Der Kollege hat also nur zwei Jahre weniger auf dem Buckel als ich selbst! Dementsprechend musste ich meine Erwartungen hinsichtlich der allgemeinen Qualität der Bausatzformen natürlich ein wenig nach unten korrigieren. Ich hatte nämlich ursprünglich auf dem Schirm gehabt, die Formen stammten aus den Neunziger Jahren. Doch da hatte ich falsch gedacht. 1991 war der Bausatz lediglich mit geänderten Abziehbildern neu aufgelegt worden. In den Jahrzehnten zuvor war das Modell hauptsächlich als militärische Variante, Polizeihubschrauber oder kurzzeitig in den Achtzigern auch als T. C.s Helikopter aus der Serie "Magnum" erhältlich.
Als das Baukästchen dann ankam, ließen die Fotos an der Seite schon erahnen, wie es um den Detailreichtum insbesondere im Cockpit bestellt war. Auf den Fotos wirkt das alles doch sehr spartanisch. Auf Türscharniere und Türgriffe, die bei der Hughes 500 eigentlich sehr ausgeprägt sind, wurde offenbar komplett verzichtet. Aber gut, dann bleibt eben ein klein wenig Eigenbau, um etwas Struktur in das Modell zu bekommen.
Der erste Blick auf die Bauteile fiel recht positiv aus. Ich hatte bereits mit einer überschaubaren Anzahl an Einzelteilen gerechnet und war auch darauf gefasst, nicht mit einer Vielzahl von Kleinteilen überschüttet zu werden. Daher war die eher magere Anzahl der Teile keine große Überraschung für mich. Und auch hinsichtlich der Qualität hatte ich mit etwas deutlich Durchwachsenerem gerechnet. Stattdessen erwarteten mich erstaunlich scharf gegossene Teile. Außerdem war ich hocherfreut, eine Pilotenfigur vorzufinden - eine Sache, die heute leider nicht mehr selbstverständlich ist (meiner Meinung nach aber selbstverständlich sein sollte).
Bei den Klarsichtteilen erwarteten mich keine unangenehmen Überraschungen. Die Befestigungspunkte am Gießast schienen ganz vernünftig ausgefallen zu sein, sodass ich nicht Gefahr laufen werde, die Teile beim Trennen vom Gießast zu beschädigen. Bei älteren Bausätzen habe ich da schon deutlich Schlimmeres gesehen. Die Seitenfenster sind unstrukturiert, was auch in Ordnung geht, weil es beim original hier ebenfalls keine Stege gibt. Bleibt nur abzuwarten, wie sich die Teile einkleben lassen. Auf den ersten Blick konnte ich keine schrägen Kanten erkennen, die das Einkleben erleichtern und den Teilen eine gewisse Führung geben würden. Aber das werde ich dann sehen.
Der erste Gießast hinterließ dann ebenfalls einen recht guten Eindruck. Was mich ein wenig erstaunte war die saubere Ausführung der Teile mit sehr wenig Überschuss bzw. sogenannten "Fischhäuten". Man muss immer bedenken: Die Formen stammen aus dem Jahr 1969! Von anderen Herstellern habe ich da schon ganz andere Nummern erlebt. So musste ich bei einigen alten Airfix-Bausätzen verschiedene Teile buchstäblich zurechtschnitzen. Ich erinnere mich nur an die Schiffsschrauben des Schlachtschiffes "Bismarck" im Maßstab 1/600. Die mussten fast aus den Vollen geschnitten werden. Hier hingegen sind selbst die beiden Steuerknüppel problemlos als solche zu erkennen. Außerdem ist der gesamte Rumpf mit erhabenen Strukturen überzogen, die ebenfalls alle gut zu erkennen sind.
In diesem Zusammenhang bin ich ganz froh, dass ich bei diesem Modell auf ein ausschweifendes Washing und Weathering verzichten kann, denn am Ende soll ein sauberer, gut gewarteter Zivilhubschrauber herauskommen. Bei erhabenen Strukturen hätte ich dann bestenfalls ein Pin-Washing machen können, was in meinen Augen bei einem Hubschraubermodell nicht so toll wirkt. Andererseits: Um die Nieten und Blechstöße ein wenig zu betonen, könnte ich bei Bedarf immer noch auf ein ganz leichtes Drybrushing zurückgreifen. Aber das ist jetzt noch Zukunftsmusik - erstmal abwarten, wie das Modell wirkt, wenn die Grundlackierung drauf ist.
Ich muss gestehen: Beim Anblick der Pilotenfigur musste ich dann doch ein bisschen schlucken. An dieser Stelle kann der Bausatz sein Alter dann wirklich nicht mehr verleugnen (das ist ungefähr genauso wie bei meinem Arsch ... der würde mein Alter auch auf den ersten Blick verraten). Um diesen Kollegen einigermaßen hübsch zu bemalen, werde ich sehr, sehr tief in die Trickkiste greifen müssen. Und dabei kann ich heute noch nicht so recht sagen, welche Tricks ich dabei genau zur Anwendung bringen werde. Die Gesichtskonturen sind faktisch überhaupt nicht vorhanden und der ganze Rest sieht aus, als sei jemand einmal mit einem heißen Bügeleisen drübergegangen. Entweder entscheide ich, den Hubschrauber führerlos darzustellen oder ich muss zunächst einmal das Figurenmalen so stark trainieren, dass ich aus dem Nichts irgendwelche realistisch anmutenden Gesichtszüge gezaubert bekomme.
Der Rest ist dann aber wieder für das Alter des Bausatzes ganz anständig ausgefallen. Am Gießast sind übrigens auch noch die Teile für die militärische Version vorhanden - beispielsweise das breite Armaturenbrett oder die Rohre einer M-134-Minigun. Wäre ich nicht jetzt schon auf die zivile Variante fixiert, dann könnte ich immer noch einen Militärhubschrauber aus dem Bausatz machen.
Für das Armaturenbrett liegt übrigens zwar ein Abziehbild bei, doch am Teil selbst sind die Instrumente auch angegossen. Normalerweise würde ich es vorziehen, auf das Abziehbild zu verzichten und stattdessen mit Drybrushing und Detailbemalung zu arbeiten, weil das meiner Erfahrung nach schlicht und ergreifend besser aussieht. In diesem Fall werde ich allerdings auf das Abziehbild zurückgreifen, denn die Anordnung der angegossenen Instrumente ist leider ziemlich eigenwillig ausgefallen. Besser, ich gehe einmal mit meinem Schwingschleifer drüber und mache die ganzen Strukturen platt.
Zum Rest des Interieurs gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Einerseits werden wenige Details geboten, andererseist ist das Interieur einer Hughes 500 auch ziemlich aufgeräumt. Hier und dort werde ich mit Sicherheit noch eine kleine Strippe ziehen können oder die eine oder andere Leiste hinzufügen, doch sehr viel mehr dürfte nicht zu tun sein. Der leere Sitz des Copiloten brauch noch ein paar vernünftige Gurte. Die werde ich wohl aus Maskiertape ferkeln.
Abziehbilder und Bauanleitung hat der Verkäufer dankenswerterweise in eine separate Plastiktüte gepackt. Der Baukasten ist zwar völlig unversehrt bei mir angekommen, doch im Falle eines Falles wäre der Papierkrieg vor Feuchtigkeit geschützt gewesen.
Wie man bei den Abziehbildern sieht, scheint die Trägerfolie bei den durchsichtigen Bildern einen Gelbstich bekommen zu haben. Vielleicht nutze ich das momentan vorherrschende sonnige Wetter und hänge den Bogen mal für ein paar Stunden ins Fenster, in der Hoffnung, dass die Verfärbung wieder ausbleicht. Sollte das nicht klappen, dann muss ich mir eben etwas einfallen lassen. Darüber mache ich mir dann Gedanken, wenn es soweit ist.
Was ich jetzt nicht gemacht habe: Ich habe nicht abgeglichen, ob oder inwieweit die angegossenen Strukturen an den Rumpfhälften tatsächlich mit den Nieten und Blechstößen des Originals übereinstimmen. Ganz so heftig wollte ich es mit der Nietenzählerei nicht treiben. Ich habe allerdings einen anderen Vergleich gezogen: Ich habe die Konturen einer Rumpfhälfte mit einer schematischen Zeichnung der Hughes 500 abgeglichen. Genaugenommen habe ich mehrere unterschiedliche Varianten der Hughes 500 herangezogen. Das Ergebnis: Die Rumpfform stimmt nicht zu 100%. Es gibt hier und dort gewisse Abweichungen. In der Realität dürften diese Abweichungen maximal im Bereich von 10 - 20 cm liegen. Sprich: Wir reden hier über ein paar Millimeter, die hier fehlen und dort zuviel sind. Alles in allem also kein Beinbruch. Für eine Bausatzform von 1969 geht das meiner Ansicht nach in Ordnung. Eine Mi-24 im Maßstab 1/35 aus dem Hause Trumpeter, bei der die komplette Rumpfform völlig Banane ist, sind solche Abweichungen schon eine ganz andere Ansage!
Wie schon angedeutet, gibt es beim Armaturenbrett hinsichtlich der angegossenen Instrumente deutliche Abweichungen, aber das werde ich ohnehin nicht ausarbeiten. Fehlende Details sind im Innenraum generell ein Thema, doch das lässt sich alles mit einigen selbstgemachten Kleinteilen beheben. Ob oder inwieweit die Inneneinrichtung ansonsten zumindest grob dem Vorbild entspricht, werde ich mir dann beim Zusammenbau etwas genauer anschauen - zum jetzigen Zeitpunkt habe ich das also noch nicht ausgiebig abgeglichen.
Bleibt nur die Frage, wann ich diesen Bausatz angehe. Angesichts der vielen angefangenen Projekte, die momentan in meinem Zimmer herumfliegen, ist das tatsächlich eine ziemlich üble Denksportaufgabe. Einerseits würde ich gerne direkt nach der Alouette II loslegen, andererseits wäre es vernünftiger, erstmal ein angefangenes Modell fertigzumachen.
Aber hey, hier geht es um Modellbau. Um mein Hobby! Weswegen soll ich da vernüftig sein, Scheiße nochmal?
Wie es auch kommt: Ihr werdet erfahren, wenn ich mit der Hughes 500 loslege!
That’s all, folks!
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