Die Sache mit dem Obstler

Eine Geschichte zur Geschichte habe ich noch gar nicht erzählt:

Bereits in „Hypershark“ gibt es den Staatlich geprüften Schwarzbrenner „Pops“ Tuttle, der den mörderischen Kentucky-Obstler brennt und die ganze Stadt damit versorgt.

Wenn man es genau betrachtet, dann passt der gute Pops mit seinem Gesöff eigentlich gar nicht so recht in einen Trash-Roman. Er trägt zwar ein klein wenig zur Handlung bei, doch so richtig zündet er nicht. Dennoch wollte ich keinesfalls auf ihn verzichtet, denn Pops war mir im Rahmen eines anderen Trash-Projekts sehr ans Herz gewachsen.

Die Sache ist schon mehrere Jahre her. Ich glaube, es war 2007 oder 2008. Ich hatte zu dieser Zeit noch mein Literaturforum betrieben. Dort kam das Thema „NaNoWriMo“ auf – eine Veranstaltung, bei der es darum geht, binnen 30 Tagen einen kompletten Roman zu schreiben. Wir unterhielten uns ein wenig im Forum darüber – hauptsächlich ging es um die Disziplin beim Schreiben. Dann meinte noch jemand im Gespräch, es gebe einen ähnlichen Event auch im Zusammenhang mit Drehbüchern. Man müsse einfach jeden Tag eine bestimmte Anzahl von Seiten schreiben.

Da mir zu dieser Zeit ohnehin einige Schwachsinnsideen durch den Kopf geisterten (was im Grunde ja ständig der Fall ist), entschied ich mich, einen Selbstversuch zu starten. Ich setzte mir eine bestimmte Frist, binnen derer ich ein komplettes Drehbuch für einen Trashfilm verfassen wollte. Ein Plot war ziemlich schnell ausgemacht: Es ging um ein außerirdisches, Godzilla-ähnliches Monster, das auf die Erde stürzt und ein Wüstenstädtchen bedroht. Das klassische 1950er-Jahre-Jack-Arnold-Kino, allerdings auf komplett bescheuert gebürstet.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Experiment glückte und das Drehbuch wurde rechtzeitig fertig. Ich glaube, ich hatte sogar noch ein wenig Zeit über und die angestrebte Anzahl an Seiten beisammen. Allerdings handelte es sich um einen derart desaströsen Bullshit, dass man ihn eigentlich niemanden zum Lesen hätte geben dürfen.

Ich hab’s aber trotzdem gemacht.

Gab keine große Resonanz. Wen wundert es, denn ich kann eigentlich überhaupt keine Drehbücher schreiben. Und selbst wenn ich es könnte, wäre ich vermutlich grottenschlecht darin. Wie dem auch sei, dies war für mich der erste Ausflug in den kultivierten Trash. Und dieses Drehbuch (von dem tatsächlich noch genau eine Kopie auf genau einem Datenträger existiert) hat mich schlussendlich dazu gebracht, Romane wie „Hypershark“ oder „Die Natur schlägt zurück“ zu schreiben.

Ach so, jetzt hätte ich es beinahe vergessen: In diesem Drehbuch spielen Pops Tuttle und sein Kentucky-Obstler eine tragende Rolle.

Tja, so kam’s …

Es klemmt hinten und vorne

Lange Zeit herrschte Ruhe, weil es hinten und vorne klemmte.

Aber so ist das: Manchmal überschlagen sich die Dinge einfach und Prioritäten verlagern sich. So wurde es beispielsweise auch in meinem Hauptberuf plötzlich turbulent, weil umfassende Veränderungen ihren Lauf nahmen, die zunächst ein erhöhtes Arbeitsaufkommen für mich mit sich brachten. Dann grätschte mir auch noch die Fortsetzung zu „Menschliche Einzelteile“ dazwischen, bei der ich aber mit dem Plotten nicht voran kam, weil mir einfach noch eine Kernidee fehlt.

Bevor nun alles ins Stocken geriet, habe ich mir vorgenommen, einfach gnadenlos beim Naturburschen weiterzuschreiben. Wie sich nach dem Abschluss des letzten Kapitels zeigte, war das offenbar der richtige Entschluss, denn es ging plötzlich wieder richtig gut voran.

Und am Wochenende werde ich versuchen, mir gleich das nächste Kapitel rauszuwursteln. Dieses werde ich in unserem Garten verfassen, unter dem Einfluss von sehr viel Sauerstoff (weil im Freien) und einer nicht unerheblichen Menge Alkohol. Mal schauen, was dabei herauskommt.

Alles nur Verarschung.

Der Titel des Postings führt natürlich auf eine falsche Fährte!

Selbstverständlich gibt es viel Verarschung in dieser Welt. Man muss sich nur Amazon anschauen: Hier bekommen Kriminalromane, die so unterirdisch sind, dass man sich die Haare ausreißen möchte, massenhaft 5-Sterne-Rezensionen – bei denen es sich um sinnfreie Einzeiler handelt, die eigentlich auf jedes beliebige Produkt passen könnten.

Doch hier geht es nicht um die Verarschung potentieller Kunden durch gefälschte Rezensionen, sondern um eine grauenhafte Todesart. Hape, unser Held, hat diese archaische Hinrichtungsmethode seinerzeit auf der Osterinsel kennen gelernt und beinahe am eigenen Leib erfahren müssen. Diese Geschichte gibt er gerade im Roman zum Besten.

So wird endlich aufgeklärt, was seinerzeit mit der Roxton-O’Malley-Expedition geschehen ist, die zur Osterinsel aufgebrochen war um einen Steinkopf zu klauen und dann nie wieder gesehen wurde. Bis auf Hape, versteht sich. Der war als taktischer Berater dabei und klärt die Sache nun auf.

Na ja, zumindest weitgehend …

Hape McCormick ist wieder da!

Nachdem ich Sheriff Karl-Gustav Loomis in die Geschichte eingeführt habe, ist nun auch Hape, unser Held von der Bangkok-Sache, wieder mit im Rennen.

Anfangs hat er es noch ziemlich schwer, denn die Verluste, die ihm der Hai beigebracht hat (seine Tochter, seine Geliebte, sein bester Freund) machen ihm schwer zu schaffen. Und dann gibt es noch eine ganze Reihe Sachen, mit denen Hape hadert.

Doch was ein echter Held ist lässt sich natürlich nicht lange aufhalten. Als Hape von Deputy Parkinson erfährt, die Farm von Jakob Johnson sei überfallen worden, ist er sofort wieder ganz der Alte und stürzt sich in die Ermittlungen.

Nebenbei kotzt er auch noch in einen Streifenwagen, aber das ist eine andere Geschichte …

Das laengste zweite Kapitel dieses Romans

Fragt nicht wie, aber es ist mir gelungen, das zweite Kapitel endlich fertigzustellen. Die beiden Farmer sind tot, die Natur hat wieder einmal zurückgeschlagen und ich kann nun endlich den neuen Sheriff im dritten Kapitel einführen.

Große Bedenken, die beiden Farmer könnten später dem Rotstift zum Opfer fallen, habe ich nicht. Am Anfang nur ein einziges Opfer, um die Bedrohung deutlich zu machen ist einfach zu wenig. Da müssen schon ein paar mehr Leute dran glauben. Nun sollte aber auch einem hohlen Klotz wie dem neuen Sheriff aufgehen, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Oder vielleicht doch nicht?

Mal schauen, was heute Abend beim Schreiben so passiert. Oder morgen.

Die geheimnisvolle Auferstehung …

… des Reinhold Witherspoon.

Das muss man sich einmal vorstellen: Da tippe ich gemütlich das erste Kapitel herunter, in dem Reinhold Witherspoon die Hauptrolle spielt. Das Doofe daran: Ich habe Reinhold am Ende von „HYPERSHARK“ auf ziemlich üble Weise um die Ecke gebracht – und diese Tatsache schlicht und ergreifend vergessen!

Nun habe ich aber dieses schöne Kapitel, das komplett auf Reinhold aufbaut. Was mache ich also? Ganz einfach: Ich lasse mir eine vollkommen bescheuerte Begründung einfallen, weswegen Reinhold doch noch am Leben ist. Mögliche Varianten:

  • Es wurde nicht Reinhold, sondern irgendein Soldat getötet, der versehentlich mit Reinhold verwechselt wurde.
  • Reinhold war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, doch es wurde anschließend in den schriftlichen Aufzeichnungen eine Falschmeldung verbreitet.
  • Es war alles nur ein Traum und Reinhold stand in Wirklichkeit zu Hause unter der Dusche (wer – wie ich – die 80er und „Dallas“ erlebt hat, der wird genau wissen, worauf ich anspiele; und wer nicht, der hat jetzt leider Pech gehabt und kapiert den Gag nicht).

Natürlich tendiere ich dazu, die wirklich saublödeste Variante zu nehmen. Aber ich denke, der zuletzt genannte Punkt ist einfach zu beknackt, selbst für einen Trashroman. Nun, vielleicht fällt mir ja noch etwas Bescheuerteres ein. Wir werden sehen.

Johannes Jackson und Jakob Johnson.

Heute möchte ich von zwei Farmern berichten, die gerade auf ein grausiges Ende zusteuern: Johannes Jackson und Jakob Johnson.

In einem Nonsens-Drehbuch, das ich vor Jahren einmal verfasst hatte, kamen zwei Farmer namens Jack Johnson und John Jackson vor. Die beiden fand ich so lustig, dass ich sie gleich noch einmal aufgreifen und auch in „DIE NATUR SCHLÄGT ZURÜCK“ packen musste – diesmal selbstverständlich mit angepassten Namen, damit sie sich besser in das Gesamtbild einfügen.

Seit der HYPERSHARK ihr Städtchen heimgesucht hat, haben die beiden Ärmsten nur noch Pech. Nachdem der Hai ihre Einkommensquelle ruiniert hatte, waren die beiden auch noch an Edgar Sullivan, den skrupellosesten Geschäftsmann vor Ort, geraten, der sie gnadenlos über den Tisch zog. Doch nun droht Johnson und Jackson ein noch viel schlimmeres Schicksal, denn …

DIE NATUR SCHLÄGT ZURÜCK!

Ich muss mir jetzt nur noch ausdenken, wie ich die beiden um die Ecke bringe … entweder durch einen Riesenfurz oder durch ganz böse Pisse. Ich arbeite dran.

Und nein, ich kann heute noch nicht sagen, ob auch nur eine Zeile von diesem Schwachsinn später im fertigen Manuskript auftauchen wird oder ob ich es am Ende noch rauskürze; sofern ich es überhaupt fertig bringe, den ganzen Scheiß noch einmal korrekturzulesen versteht sich.

Wusstet Ihr eigentlich …

… das ich noch gar keinen richtigen Plot habe?

Nein?

Das dachte ich mir. Ich selbst bin nämlich auch erst vorgestern darauf gekommen. Irgendwie doof: Da fängt man hochenthusiastisch an, irgendwas zu schreiben und merkt erst hinterher, dass man völlig zusammenhanglos unterwegs ist.

Aber keine Sorge, das wird mich nicht nennenswert bremsen. Ich nehme einfach die 16 Seiten, die ich bis jetzt habe. Dann konstruiere ich so etwas wie ein bisschen Handlung und pappe es hinten an diese 16 Seiten dran. Damit dürfte ich dann in etwa so viel Substanz beisammen haben wie ein durchschnittlicher Film von The Asylum. Das muss reichen. Und wenn es nicht reicht: Drauf geschissen.

Ein neuer Sheriff in der Stadt.

Pssst!

Ein kleiner Vorgucker: In „HYPERSHARK“ agierte noch Hiltrud Yamamoto, ein Riese von einem Indianer mit einem schier unzügelbaren Appetit, als Sheriff der Stadt. Doch Hiltrud hat inzwischen die Stadt verlassen und lebt nach den Traditionen seiner Vorfahren in einem Tipi.

Stattdessen ist nun ein neuer Sheriff in der Stadt: Karl-Gustav Loomis.

Karl-Gustav tritt kein leichtes Erbe an, denn Hiltrud war ein Sheriff mit Leib und Seele mit einem unglaublichen kriminalistischen Gespür, das er perfekt zu verbergen wusste, sodass es in „HYPERSHARK“ kein einziges Mal hervorblitzte. Wie man rasch sehen wird, verfügt Sheriff Loomis nicht einmal ansatzweise über Hiltruds Cleverness. Dummerweise neigt er jedoch auch dazu, sich zu überschätzen. Damit wird er die gesamte Menschheit in Gefahr bringen!

Wir werden ihn voraussichtlich im dritten Kapitel kennen lernen. Vielleicht auch schon im zweiten. Das werde ich erst genau wissen, wenn ich den Quatsch geschrieben habe.

Könnte auch das vierte Kapitel werden … auch wenn ich noch nicht weiß, was im dritten passieren wird. Oder im zweiten.

Der Wahnsinn hat ein erstes Kapitel.

Nun ist es passiert: Ich habe die erste Fassung des ersten Kapitels niedergeschrieben. Während ich schrieb, wurde eines sehr schnell klar: Das hier wird etwas ganz anderes als der „HYPERSHARK“.

Der „HYPERSHARK“ zielte nur auf kultivierten Trash ab. Es ging lediglich darum, Schlechtes noch schlechter zu machen. Bei „DIE NATUR SCHLÄGT ZURÜCK“ gibt es eine andere Gangart. Natürlich wird es auch hier jede Menge Hirnrissigkeit geben, doch es ist nicht alles mit Gewalt auf Trash ausgelegt, sondern eher auf Slapstick. Dabei möchte ich den Roman als eine Hommage an eine Reihe von B-Filmen verstanden wissen – aber das hatte ich ja bereits einmal gesagt.

Also: Bei diesem Roman handelt es sich nicht um kultivierten Trash, sondern eher um das, was Steve Miner 1999 im Hinblick auf seine Horrorkomödie „Lake Placid“ als „Splatcom“ bezeichnete. Dies ist ein Kofferwort, das sich aus den Begriffen „Splatterpunkt“ und „Comedy“ zusammensetzt. Und ich kann Euch flüstern: Alleine in diesem ersten Kapitel, das ich jetzt verbrochen habe, splattert es schon ganz gewaltig. Und das ist erst der Anfang!

© 2015, 2016 Niels Peter Henning

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