Wer …?

Niels Peter Henning und der Modellbau


 
 

Der erste Kontakt:

Irgendwann in der Kindheit, früheste 1970er Jahre. Mein Erzeuger hortete mehrere Flugzeugmodelle in einem Regal. Das Berühren der Modelle war (insbesondere mir) strengstens verboten. Dann, eines Tages, geschah das Wunder: Ich durfte mit den Fliegerchen spielen! Die Verlustrate war extrem.

Das Erkennen, worum es geht:

Immer noch frühe 1970er. Mein Vater sitzt an einem mit Gießästen übersähten Tisch und rührt mit einem Streichholz in einem typischen Revell-Farbtöpfchen. Ich saß daneben und schaute völlig fasziniert zu, wie aus diesen vielen, vielen Einzelteilen ein fertiges Flugzeug entstand. Für mich stand schon in dieser Zeit fest: Das will ich auch mal machen! So lange ich jedoch noch Schwierigkeiten hatte, mit Messer und Gabel zu essen, ohne meine Nahrung auf der Tischdecke und meinem Schlabberlatz zu verteilen, beschränkte ich mich ausschließlich auf das Zuschauen.

Der erste Versuch:

Dieser startete in der Mitte der 1970er Jahre. Ich war gerade in der dritten oder vierten Klasse der Grundschule. Meine Eltern spendierten mir im Rahmen einer Einkaufstour in Wiesbaden ein Flugzeugmodell – eine Chance-Vought F4U Corsair. Es handelte sich um einen Minikit aus dem Hause Revell, der damals für 1,00 DM erhältlich war. Der Bausatz bestand aus nicht mehr als 16 Teilen. Zu Hause angekommen, nahm das Unheil seinen Lauf. Beim Zusammenbau hatte ich schon meine Schwierigkeiten mit dem Klebstoff, denn niemand hatte mich darüber informiert, dass es sich bei Plastikkleber nicht um einen schnell abbindenden Kontaktkleber handelt. Also ging ich nach einem einfachen, aber leider völlig falschen Prinzip vor: Viel hilft viel. Dann kam ich auch noch auf die Schnapsidee, das Modell zu bemalen. Ergebnis: An meinen Fingern pappte mindestens ebensoviel Farbe wie am Bausatz, der sich in ein gnubbeliges Ding verwandelt hatte. Der Bausatz landete im Papierkorb (damals war die Abfallmischung noch legitim) und meine Finger unter dem Wasserhahn. Doch immerhin: Der Grundstein war gelegt!

Die „erste Schaffensphase“:

Im weiteren Verlauf der 1970er Jahre wagte ich mich nach und nach an größere, kompliziertere Bausätze heran. Dabei zählten die Kataloge von Revell und Airfix zu meiner bevorzugten Lektüre. Die Modelle – ob Flugzeug, Schiff oder Panzer spielte bei mir keine Rolle – baute ich grundsätzlich immer aus dem Kasten. Auf Bemalung verzichtete ich weitgehend (und wenn nicht, dann fiel das Ergebnis meist desaströs aus), Kleinteile wurden großzügig ausgespart (Standardfrage meines Vaters: „Und, wie viele Teile hast du diesmal weggelassen?“) und Decals nur im äußersten Notfall angebracht.

Die „zweite Schaffensphase“:

Ende der 1970er und Anfang der 1980er rückte ich ein wenig von den Flugzeugen ab. Stattdessen waren Panzer und Militärfahrzeuge extrem angesagt. Außerdem waren die ersten Bausätze zu „Krieg der Sterne“ erschienen. Ich begann nun, verstärkt mit Farben zu hantieren. Sprühdosen waren zur damaligen Zeit für mich nicht erschwinglich und von einem Airbrush hatte man bestenfalls gerüchteweise gehört. Also pinselte ich mich munter durch die Bausätze. An Feinheiten wie Alterungseffekte dachte ich seinerzeit noch nicht. Schließlich gab es auch noch niemanden, der mich darauf hätte aufmerksam machen können.

Die Teenager-Zeit – eine lange Pause:

Anfang der 1980er baute ich schließlich mein vorerst letztes Modell: Das Schlachtschiff „Bismarck“. An den Maßstab erinnere ich mich nicht mehr, doch das Ding war nicht ganz so winzig. Dabei gelang mir sogar eine recht annehmbare und saubere Lackierung. Nach diesem Bausatz verlor ich allerdings komplett das Interesse an diesem Hobby. Stattdessen wandte ich mich Videospielen, Computern und deren Programmierung zu.

Die 1990er Jahre – Neustart 1:

Mitte der 1990er Jahre erlebte die Modellbauerei in meinem Freundeskreis einen Neustart, der auch bei mir zündete. Diesmal standen Hubschraubermodelle hoch im Kurs. Ein großes Gewicht lag dabei auch auf der Modellfliegerei. Einen flugfähigen Hubschrauber konnte ich mir nicht leisten, also blieb ich bei Plastikmodellen und einigen wenigen flugfähigen Flugzeugen. Beim Plastikmodellbau legte ich bereits mehr Wert auf Detailbemalung und detailliertere Darstellung. Das Anfertigen eigener Teile stellte für mich jedoch noch immer Hexenwerk dar.

„Helicom“ – eine kleine Blütezeit:

Ende der 1990er Jahre gründeten wir schließlich zu viert eine kleine Interessengemeinschaft, die wir auf den Namen „Helicom“ tauften. Wir richteten einen gemeinsamen Modellbaukeller ein, um uns dort regelmäßig zu treffen. Neben den flugfähigen Modellen spielte dort auch der Plastikmodellbau eine große Rolle. Hier konnte ich erste Erfahrungen mit dem Airbrush sammeln und erfuhr auch von neckischen Dingen wie Washing und Alterungseffekten. Der richtige Einsatz dieser Techniken war uns jedoch noch nicht zu 100% klar, was stellenweise zu absonderlichen Ergebnissen führte …

Der zweite „Einbruch“:

1998 verendete unsere Interessengemeinschaft leider auf tragische Weise. Ich versuchte zwar, den Modellbau als Einzelkämpfer weiter zu betreiben, doch es fehlte einfach das geeignete Werkzeug und der Platz. Also schlief das Hobby wieder völlig ein.

Das neue Jahrtausend – Neustart 2 und aktueller Stand:

Zum Anfang des neuen Jahrtausends packte es mich wieder und ich investierte einen Großteil meines Weihnachtsgeldes in die Anschaffung eines Airbrush inklusive Kompressor. Danach versuchte ich mich hin und wieder einmal an einem Bausatz, bis ich schließlich Anfang 2007 richtig durchstartete. Inzwischen hatte ich mich auch quer durch verschiedene Internetseiten gelesen und mir eine Menge Anregungen geholt (an deren Umsetzung ich teilweise heute noch knabbere). Seither arbeite ich daran, mit jedem Bausatz etwas mehr Details zu entwickeln und etwas weniger Fehler zu machen. 2012 wurde dies von einem kleinen Erfolg gekrönt: Es gelang mir, beim Modellbauwettbewerb im Revell-Forum mit einer 1/72 Revell Focke Wulf FW200 C-4 Condor den dritten Platz zu ergattern.

Ich bevorzuge …

… ausschließlich Flugzeuge und Science-Fiction-Bausätze. Sollte sich tatsächlich einmal ein Auto, ein Panzer oder ein Schiff einschleichen, dann muss es sich um ein ganz besonderes Exemplar handeln.

Ich mag keine …

… Figuren und Dioramen. Wenn ich die Arbeiten guter Figurenmaler sehen, dann kann ich nur meinen Hut ziehen. Ich verspüre jedoch keinerlei Interesse daran, mich selbst als Figurenmaler zu betätigen. Ähnlich geht es mir mit Dioramen. Im Grunde schaue ich oft schon ein wenig neidisch auf die Werke meiner Modellbaukameraden, doch ich bringe es einfach nicht fertig, selbst ein schönes Diorama zu bauen. Dies steht allerdings noch auf meiner Agenda für die nächsten … äh … Jahrzehnte.

Ich bin …

… im Grunde schon recht detailverliebt. Gerade bei den größeren Maßstäben füge ich gerne fehlende Details hinzu oder bessere nicht korrekte Passagen aus. Allerdings versuche ich hierbei, nicht zu übertreiben. Es gibt also durchaus auch Bausätze im Maßstab 1/32, die ich direkt aus dem Kasten baue (wie z. B. die 1/32 Revell Junkers Ju88A-1), weil mir die Details ausreichend erscheinen.

… ein Fan von Alterungseffekten. Hier arbeite ich massiv an meinen Fähigkeiten und versuche bei jedem Bausatz, die Alterung ein wenig besser hinzubekommen.

… lustig. Humor wird bei mir groß geschrieben – auch im Modellbau. Wie ich schmerzlich erfahren musste, ist dies nicht bei jedem der Fall. Manche Modellbauer nehmen offenbar sowohl ihr Hobby als auch sich selbst ein wenig zu ernst. Mit solchen Gestalten möchte ich nichts zu tun haben & auch nicht mit diesen in einen Topf geworfen werden!

… manchmal etwas nachlässig. Viel zu oft lasse ich Fünfe gerade sein und ärgere mich dann hinterher, weil es Schmuddelecken am fertigen Bausatz gibt. Aber daran arbeite ich.

… kritikfähig. Allerdings lasse ich mich von niemanden blöd anmachen – und schon gar nicht auf meiner eigenen Webseite.

Ich bin kein …

… Nietenzähler. Sicher, ich erkundige mich schon über die realen Vorbilder der Modelle, die ich baue. Ich füge auch gerne fehlende Details hinzu oder verändere Teile, wo es mir angebracht erscheint. Doch ich erhebe keinerlei Anspruch auf hundertprozentige historische Genauigkeit. Als Informationsquelle nutze ich ausschließlich das Internet. Aus ausschweifenden Diskussionen, beispielsweise über die Lackierung der Innenseite des Spornradschachtes der Junkers Ju88A-1 (die man beim fertigen Modell überhaupt nicht mehr sehen kann – doch diese Diskussion hat es tatsächlich einmal gegeben!) halte ich mich grundsätzlich raus.

… Fan von Hakenkreuzen auf Leitwerken. Die Diskussion hierzu wird zwar immer wieder (und meist auch recht hitzig) geführt, doch meine Meinung ist klar: Auch wenn es dem realen Vorbild entsprechen würde – die Darstellung des Hakenkreuzes ist verboten. Dieses Verbot darf meiner Ansicht nach keinesfalls aufgeweicht werden, auch nicht für uns Modellbauer. In dem Augenblick, in dem eine Ausnahme geschaffen wird, hat der braune Dreck sofort einen Ansatzpunkt für weitere Ausnahmen. Irgendwann kehrt dann mehr und mehr Gleichgültigkeit gegenüber diesem Thema ein – vielleicht nicht gleich morgen, vielleicht auch nicht im nächsten Jahr, aber vielleicht in weiterer Zukunft. Das darf keinesfalls passieren. Deswegen verzichte ich gerne auf die exakte historische Genauigkeit meiner Bausätze (was ich sowieso tue – siehe Punkt „Nietenzähler“).

… Fahrwerksbauer. Ich mag keine Fahrwerke. Der Zusammenbau eines Fahrwerks ist für mich immer der Tiefpunkt eines Flugzeugmodells. Keine Ahnung, weswegen das so ist. Vielleicht wurde ich als Kind einmal von einem Fahrwerk bedroht. Ich weiß es nicht. Ich mag die Dinger einfach nicht.
 
 

That’s all, folks!

© 2015 - 2017 Niels Peter Henning

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