Drei Dicke.

Ich bin in den letzten Tagen wieder mal völlig durchgeknallt mit Flugsimulatoren. Dabei ist leider einiges an Geld draufgegangen. Ein Teil davon wird wohl im Klo runtergespült sein. Ein anderer Teil ist aber gut angelegt.

Welcher soll es denn sein?

Wenn ich „Flugsimulator“ hörte, dann dachte ich eigentlich immer sofort an den Flight Simulator X von Microsoft – oder kurz „FSX“, wie er auch genannt wird. Auf dem zivilen Sektor war das für mich so ziemlich das einzig Wahre (und auch Bekannte). Klar, ich bin dann im Laufe der Zeit auch noch über Sachen wie „Flightgear“ gestolpert, doch das war nun wirklich nichts für mich.

Erst im vergangenen Jahr hatte ich dann Kontakt mit „Prepar3D“, oder kurz „P3D“, bei dem es sich ja bekanntlich um eine Weiterentwicklung von FSX handelt. Und als ich dann schließlich gegen Ende 2016 zu meiner HTC Vive kam, schaute ich noch etwas konkreter nach Flugsimulatoren. Dabei stolperte ich übrigens auch über den „Aerofly FS2“ bzw. kurz „FS2“, der jetzt gerade seine Early-Access-Phase hinter sich gelassen hat. Von der Grafik her reizvoll, doch leider keinesfalls auf einem Level mit einem der „Großen“; dies insbesondere, weil der FS2 ausschließlich Szenarien für Nordamerika und die Schweiz bietet.

Und dann, zuletzt, lief mir „XPlane 11“, oder kurz „XP“ über den Weg. Der flashte mich komplett weg – das hat sich bis heute noch nicht gelegt.

Die Frage ist nun: Welcher soll es sein? FSX, P3D oder XP?

Was will ich denn eigentlich?

Seien wir mal ehrlich: Ich habe vom Fliegen ungefähr ebenso viel Ahnung wie vom Formel-1-Fahren. Ich bin zwar sicherlich kein ganz schlechter Autofahrer, doch mit einem Rennwagen wäre ich hoffnungslos überfordert. Vermutlich würde ich das Ding noch nicht einmal ankriegen. Und wenn doch, dann würde ich mich wie ein Brummkreisel auf der Stelle drehen, weil ich das Ding nicht unter Kontrolle bekäme. Autorennen kann ich nur am PC fahren. Und genauso ist es auch mit dem Fliegen. Ich weiß zwar theoretisch, wie so ein Flugzeug funktioniert und was die einzelnen Instrumente bewirken/bedeuten, doch mit allen Feinheiten und – vor allem – theoretischen Grundlagen, die zur Fliegerei gehören, kenne ich mich überhaupt nicht aus. Ich bin bestenfalls in der Lage, ein bisschen mit irgendeinem Sportflugzeug im Simulator herumzugurken. Und wenn ich von A nach B fliege, dann ist es pure Glückssache, wenn ich B auch tatsächlich finde.

Ich will also im Grunde lediglich einen Simulator, der für mich einigermaßen zugänglich ist und mit dem ich einfach ein wenig herumzuckeln kann, ohne mich um irgendwelche Luftfahrtregularien zu kümmern. Starten und Landen kriege ich hin. Ansonsten will ich einfach nur herumkurven und die Landschaft genießen.

Aber genau da fangen die Probleme schon an …

Aufgebohrt oder nackisch?

Nun bin ich ja einer, der schöne Grafik mag. Deswegen macht mir ja auch der FS2 so viel Spaß, auch wenn ich zu dessen Szenarien nur wenig Bezug habe.

FSX und P3D sind, was die Grafik angeht, leider ziemlich schroh. Einerseits muss man bedenken, dass die Technik ihre besten Zeiten schon seit Jahren hinter sich hat. Andererseits wurde niemals eine wirklich gute Lokalisierung des sogenannten Autogen durchgeführt – also den Gebäuden und der Vegetation, die mehr oder weniger in der Nähe von Ansiedlungen nach dem Zufallsprinzip verteilt werden. So konnte es durchaus vorkommen, dass mitten in Deutschland haufenweise amerikanische Wassertürme herumstanden. So etwas mag ich mir auf die Dauer nicht anschauen. Deswegen war es für mich unerlässlich, zu einem Addon zu greifen. In diesem Fall griff ich zu Szenerien aus dem Hause ORBX. Konkret: ORBX Germany North und Germany South. Diese Szenerien funktionieren sowohl im FSX als auch im P3D. Sie versehen den Boden mit einer schönen Fototapete, zeichnen Straßenverläufe erstaunlich gut nach und verteilen auch die Autogen-Gebäude etwas vorbildgetreuer. Wirklich markante Landmarken sind sogar von Hand angepasst und als das erkennbar, was sie eigentlich sein sollen.

XPlane 11 macht das alles ganz anders. Das Autogen ist hier von Anfang an schon lokalisiert. Ich habe lediglich den Boden mit einer eigenen Textur belegt, was durch das Zusatztool „Ortho4XP“ überhaupt kein Problem darstellt. Ansonsten habe ich XPlane nackisch betrieben, ohne jede Addons.

Und, wie sieht es aus?

Im Grunde sehen alle drei nicht schlecht aus. Hier mal ein paar Bilder. Fangen wir an mit FSX:

Weiter geht es mit P3D:

Und nun XP:

Für alle drei Galerien bin ich jeweils ein wenig über dem Taunus herumgekurvt.

Man kann sagen, was man will: XP lässt die beiden anderen (trotz ORBX-Szenerien) locker abstinken. Alleine die Lichtstimmungen, die XP raushauen kann, sind einfach unglaublich gut. Hinzu kommt noch, dass XP über ein stellenweise schon fast unheimlich gutes Autogen verfügt und sämtliche Straßen weitgehend akkurat darstellt, weil die Straßenvektoren von der Open Street Map eingelesen wurden. Somit ist also auch die Navigation anhand von Nebenstraßen möglich und Ortschaften sind anhand ihrer Straßenverläufe aus der Luft erkennbar. Natürlich ist das Autogen nicht unfehlbar; die Anordnung und die Art der Gebäude bleibt Science Fiction. Dennoch ist es möglich, Ortschaften zu erkennen, wenn man sie überfliegt.

Das heißt natürlich nicht, dass ich FSX oder P3D nun scheiße finde. Im Gegenteil: Auch diese beiden liefern ordentliche Arbeit ab. Insbesondere an bekannten Landmarken trumpft ORBX mächtig auf. So ist Frankfurt als das zu erkennen, was es auch tatsächlich sein soll, während das Autogen von XP Großstädte im Allgemeinen sehr frei interpretiert. Las Vegas konnte ich nächtens beispielsweise noch nicht einmal entdecken, während es im FSX und P3D leuchtete wie ein Weihnachtsbaum.

Wo wir gerade beim Leuchten sind: Sowohl die ORBX-Szenerien von FSX und P3D als auch XP kommen mit volumetrischer Beleuchtung daher. ORBX hat dabei, wie ich meine, ein Stück weit die Nase vorne was den Realismus angeht. So sind Autobahnen beispielsweise nicht durchgehend beleuchtet – eine Hürde, die XP gnadenlos reißt, denn hier sehen Autobahnen aus wie Perlenschnüre. Dennoch finde ich, XP sieht einfach stimmungsvoller und cooler aus.

Und wie fliegen die sich?

Für mich fühlen die sich alle gleich an. Ich könnte jetzt um’s Verrecken nicht sagen, welcher davon der realistischere Simulator ist. Ob ich jetzt mit einer Cessna herumkurve oder mit einem anderen Vehikel – ich spüre da keinen Unterschied. Allerdings hat hier XP wieder mal die Nase vorne mit dem Wettersystem. Das sieht einfach um Längen besser aus und kommt glaubwürdiger rüber als das System von FSX/P3D.

Wie sieht es mit der Technik aus?

Beim FSX: Oje!

Man darf einfach nicht vergessen, dass es sich um eine veraltete 32-Bit-Technik handelt. Das bedeutet, FSX ist nicht in der Lage, mehr als 4 GB Arbeitsspeicher zu adressieren. Daraus resultieren eine Menge Probleme. Ganz übel: „Out of Memory“-Fehler, sogenannte „OOMs“, die sofort zu einem Crash auf das Desktop führen. Betreibt man den FSX nackisch, dann ist man weitestgehend sicher vor OOMs, doch wehe, man hat ein Addon drin und dreht die Grafikoptionen hoch. Rein von der Geschwindigkeit her ist das bei High-End-Rechnern kein Problem, doch spätestens nach fünf Minuten ist der Flug mit einem OOM beendet. Einzige Abhilfe: Die Grafikoptionen runterstellen. Und das ist für mich völlig inakzeptabel. Ich kaufe mir doch keine schweinsteure Zusatzszenerie, nur um diese dann nicht anzeigen zu lassen!

P3D macht das viel besser. In seiner Version 4 kommt P3D als 64-Bit-Version daher und hat keinerlei Speicherprobleme. Allerdings sind die Grafikoptionen ziemlich biestig. Fängt man hier an, mit der Beleuchtung herumzuspielen, dann legt man damit auch eine GTX 1080 A8G. Bleibt man aber easy und übertreibt es nicht, dann läuft P3D butterweich. Irgendwelche technischen Probleme hatte ich nicht. Lediglich die Ladezeiten sind äußerst kernig und es dauert eine Weile, bis sich das Bild beim Start vernünftig aufgebaut hat.

Bei XPlane 11 ist alles ok. Ob man es glaubt oder nicht, aber hier habe ich überhaupt nix zu meckern! Klar, auch hier kann ich die Grafikoptionen dermaßen hochjagen, dass eine Echtzeitberechnung der Bilder nicht mehr möglich ist und es zu ruckeln anfängt. Wenn ich allerdings nur auf kleine Details verzichte, dann kann ich schon eine Menge Ressourcen freimachen. Und nicht nur das: XPlane 11 lässt sich noch mit dem Addon „Fly with LUA“ aufbohren. Dieses Addon kann verschiedene Scripte verwalten, die den Simulator realistischer/schöner/schneller machen, darunter auch ein sehr effizienter FPS-Booster. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Installation/Deinstallation von Zusatzszenerien unglaublich locker von der Hand geht. Einziger Wermutstropfen: XPlane 11 kommt zwar mit einer Art SDK für Zusatzszenerien daher, doch das ist im Grunde ausschließlich auf Flugplätze ausgelegt. Autogen lässt sich damit weitgehend nicht bearbeiten. Es gibt zwar Tools, die aus Daten von Openstreetmap.org eigene Szenerien kreieren können, doch diese Szenerien sind in der Regel sehr unvollständig, was schlicht und ergreifend dem Datenstand der Openstreetmap geschuldet ist. Wenn dort in einer kleinen Ortschaft keinerlei Gebäude verzeichnet sind, dann sind auch später im Simulator keine Gebäude zu sehen. Erweitert man XPlane aber vorsichtig mit einigen von Profis vorgefertigten Szenerien, dann ist das Ganze schon unglaublich genau und man kann problemlos nach Straßen navigieren.

Fazit:

Ganz klar: Ich habe mich auf XPlane festgelegt. Das Abo für P3D lasse ich verfallen und den FSX werde ich vielleicht nochmal von Steam aus installieren und ohne die ORBX-Erweiterungen betreiben – alleine aus Nostalgiegründen. Die Fliegerei fühlt sich für einen Laien wie mich mit allen drei Simulatoren ohnehin weitestgehend gleich an.

Immerhin: Bei den Landungen bin ich inzwischen so weit, dass ich die Mühle nur noch bei einer von drei Landungen kaputtschmeiße. Das ist doch schon mal was.

© 2017, 2018 Niels Peter Henning

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