Das vollkommen überflüssige Star-Citizen-Special

Hurra, hurra, die Alpha 3.0 von Star Citizen ist da. Alle Fanboys haben feuchte Flecken in der Hose und freuen sich ein Plätzchen an die Backe. Ich hab natürlich auch mal reingeschaut und festgestellt, dass das alles ganz schön cool ist, auch wenn sich einige Sachen ziemlich scheiße anfühlen.

Die Alpha 3.0 von „Star Citizen“ ist frisch installiert und ich möchte nun gerne wissen, ob das Ganze wirklich so UNFASSBAR HAMMERSUPERGEIL ist, wie es die Fanboys erwarten. Ok, ich muss dabei zugeben, dass ich tatsächlich auch sehr gespannt bin und mich im Grunde auf neue Inhalte bei „Star Citizen“ freue. Die Euphorie, die so manche Bubchen an den Tag legen, kann ich allerdings nicht teilen. Da bleibt einfach noch zu viel Skepsis übrig.

Also gut, schauen wir uns das mal an. Der Ladevorgang bis zum Hauptmenü funktioniert schon einmal problemlos. Hier kann ich nun wählen, ob ich mich frei im Universum der Alpha 3.0 bewegen möchte, ob ich den schon bekannten „Arena Commander“ spielen möchte oder ob ich in „Space Marine“ gegen irgendwelche Call-of-Battlefield-Bubchen antreten möchte. Ich entscheide mich für das frei begehbare Universum. Diese ganze Arena-Scheiße interessiert mich nicht.

Anschließend bleibt mir noch die Wahl, ob ich auf Port Olisar bei Planeten Crusader starten möchte oder ob ich lieber meinen eigenen Hangar besuchen möchte. Da mir Sinn und Zweck meines Hangars noch nicht so recht aufgegangen sind, besuche ich zunächst einmal Port Olisar. Und hier geht dann das eigentliche Spiel los.

Alles beginnt im Bett. Grafikkarte und CPU meines Rechners langweilen sich, während es das Spiel auf schlanke 25 FPS bringt, die gerne mal bis in den einstelligen Bereich einbrechen.

Ich verlasse mein Bett und schaue mich um. Ich befinde mich in einer kleinen Wohneinheit auf Port Olisar. Ein paar Gegenstände sind im Raum verteilt. Interagieren kann ich damit nicht. Alles nur Dekoration. Das gilt auch für die Klopapierrolle, die neben meinem Bett im Regal steht. Was ist hier los? Neigt meine Spielfigur etwa dazu, in ihr Bett zu kacken? Oder holt sich der Kerl nach dem Einsatz (oder wahlweise auch vor dem Einsatz) erstmal einen runter? Komische Geschichte.

Also gut, auf geht’s. Ich laufe los. Auf der Wohnetage der Station kann ich nichts weiter tun, also geht es die Treppe runter zum Einsatzraum.

Zuvor schaue ich noch bei den verschiedenen Shops vorbei, die sich ebenfalls auf dem Einsatzdeck befinden. Es gibt einen Shop für alles Mögliche, einen für Klamotten, einen für Raumanzüge und einen für Waffen. Außerdem gibt es noch einen Warenhändler, bei dem man Fracht für das Schiff kaufen oder verkaufen kann. Wenn man, so wie ich, eine „Aurora“ fliegt, dann ist der Warenhandel nur wenig attraktiv. Die „Aurora“ bietet gerade mal Platz für drei Frachtkisten. Ich fürchte, damit lässt sich kein Reibach machen. Mit den Shops kann ich leider nichts anfangen, denn dort werden heute offenbar keine Waren angeboten – was ich für einen fulminanten Bug halte. Mir egal; die Alpha ist voll von solchem Scheiß.

Also auf zum Einsatzraum. Dort am Terminal erfahre ich, dass meine „Aurora“ leider nicht in Port Olisar ist. Stattdessen steht das Ding noch an der Levski Minenstation. Dort hatte ich mich beim letzten Mal ausgeloggt. Um die „Aurora“ wiederzubekommen, muss ich einen Versicherungsfall melden. Glücklicherweise kostet mich das in dieser Alpha noch nichts. Der Transfer dauert dann 25 Minuten – was ich für vollkommen bescheuert halte. Man kann den Transfer aber auf ca. 2 1/2 Minuten verkürzen, wenn man eine höhere Versicherungssumme zahlt. In der vorliegenden Alpha ist diese Summe glücklicherweise gleich Null, sodass ich diese Option wähle.

Doof: Offenbar entscheidet das Spiel per Zufallsgenerator, ob der verkürzte Transfer gut geht oder nicht. So kommt es, dass mein Schiff zunächst einmal nach der Wartezeit zerstört wird. Erst beim zweiten Anlauf wird es dann geliefert. Ich mache mich auf zum Landepad …

Unterwegs nehme ich noch einen Auftrag an. Dies kann ich ganz bequem mittels meiner Smartwatch tun. „MobiGlass“ nennt sich das Ding. Hoffentlich habe ich es richtig geschrieben. In jedem Fall projiziert das Teil ein Menü als Hologramm in die Luft. Dort kann ich das gesamte Management meiner Spielfigur vornehmen. Ich suche mir einen Auftrag aus, bei dem es gilt, eine Black Box aus einem gecrashten Schiff zu bergen.

Unterdessen dackeln sowohl einige NPCs als auch einige Spielercharaktere um mich herum. Angenehm: Jeder macht sein eigenes Ding und ich werde nicht blöd angechattet. Soweit ich es überblicken kann, gibt es auch diese unsäglichen „Freundschaftsanfragen“ nicht. Die Interaktionsmöglichkeiten im Multiplayer werden mit Sicherheit noch heftig ausgebaut, doch im Moment bin ich ganz froh, dass Ruhe herrscht. Zudem ist Port Olisar auch noch Waffenstillstandzone. Man kann auf niemanden schießen. Noch nicht mal aus Versehen.

Durch die Luftschleuse geht es dann raus zu den Landeplattformen. Dort kommt dann der erste Aha-Effekt. Wenn man zum ersten Mal auf die Landeplattform spaziert und das Panorama mit dem Gasriesen „Crusader“ sieht, dann ist das schon beeindruckend.

Es kommt dann noch zu einer lustigen Begebenheit: Ein anderer Spieler versucht, mein Raumschiff zu klauen. Dies ist auf Port Olisar jedoch nicht möglich. Dumm für den anderen Kameraden, witzig für mich. Ich stehe bei der Luftschleuse und schaue mich an, wie der Kerl gut 5 Minuten lang wie ein Blöder um das Schiff herumrennt und immer wieder bei den Türen in die Luft springt. Ich warte ab, bis der Nappel genug hat und sich zurückzieht. Dann laufe ich zu meinem Schiff, steige ein und hebe ab. Der Nappel guckt unterdessen zu. Und ja, ich habe ein bisschen Spaß dabei.

Die Navigation geht leider noch etwas hakelig vonstatten. Sie läuft ebenfalls über das MobiGlas und ist bei Weitem noch nicht wirklich brauchbar. Es gibt immer wieder Zoff mit dem Kontrast, sodass man verschiedene Sachen nicht oder nicht richtig sieht. Schlussendlich schaffe ich es aber, mein Ziel anzuvisieren und den Quantum-Drive anzuschmeißen. Die dann folgende Hyperraumsequenz erinnert an „Elite Dangerous“, ist aber, wie ich finde, hinsichtlich der Soundkulisse irgendwie cooler gemacht.

Am Ziel angekommen muss ich feststellen, dass das Wrack, das ich untersuchen muss, auf der Oberfläche eines Mondes liegt. Also muss ich landen.

In dieser Sequenz spielt „Star Citizen“ ordentlich mit den Muskeln. Die FPS sind zwar im ziemlich lausigen Zwanzigerbereich angesiedelt und die Steuerung fühlt sich an, als sei das Raumschiff mit Scheiße beschmiert, doch die Optik ist der Hammer. Dabei sieht die Planetenoberfläche noch nicht einmal besser aus als in „Elite: Dangerous“. Es gibt allerdings keine Ladesequenzen oder sonstwas. Der Übergang von Weltraum zu Oberfläche ist absolut übergangslos. Man kann zwar erkennen, wie die Texturen nachladen, doch das Ganze ist sehr dezent und hat absolut nichts mit dem „Terraforming“ zu tun, das einem in „No Man’s Sky“ zugemutet wird.

Also gut: Zwei andere Spieler sind schon vor Ort, also muss ich schnell handeln, um die Black Box zu bekommen, die ich bergen soll. Das ist dann schon wieder eine Sache, die mich ein wenig ankotzt: Alle Aufträge sind für alle Spieler gleichzeitig da. Gewonnen hat, wer als Erster vor Ort ist und die Schäfchen ins Trockene bringt. Diesmal bin ich nur der Dritte im Bunde. Ich überlege, ob ich die anderen beiden einfach umlege, habe aber dummerweise keine gescheite Waffe dabei. Also versuche ich mein Glück auf anderen Weise.

Zunächst einmal finde ich im Wrack einige Leichen. Fast alles ist begehbar, alle Innenräume sind detailliert ausgestaltet. Lediglich die Möglichkeit zur Interaktion fehlt komplett. Ist aber auch nicht schlimm, denn schließlich soll man ja nur die Black Box finden.

Diese ist dann, genau wie ich es erwartete, im Cockpit. Doch oha, dort steht schon ein anderer Spieleravatar, guckt dumm durch die Gegend und hält die Black Box in den Händen. Ich gehe zu ihm hin, hüpfe vor ihm herum. Das beeindruckt den Burschen wenig. Meine Versuche, die Black Box an mich zu bringen, scheitern leider mangels Interaktionsmöglichkeit. Unterdessen schlägt draußen ein weiteres Schiff auf – und das meine ich wörtlich. Hat wohl zu spät gebremst, der Kollege. Ich bekomme einen Lachflash. Als der andere Spieler dann plötzlich die Black Box fallen lässt und diese ganz gemütlich durch den Boden ins Nirvana glitcht, habe ich die Schnauze voll und breche den Auftrag ab.

Neuer Auftrag: Ein Handelsschiff beschützen. Ich schmeiße den Quantum-Drive an und quantume los.

Der zu beschützende Frachter ist schnell gefunden. Ebenso die beiden bösen Buben, vor denen ich beschützen soll. Den ersten puste ich mit zwei Raketen weg, den zweiten ebenfalls. Der Dritte macht dann richtig Zoff. Der Beschreibung nach handelt es sich um eine „Gladius“, mit der ich nicht fertig werde. Meiner „Aurora“ fehlt wohl einiges an Bums. Der „Gladius“ übrigens auch – oder der NPC fliegt einfach nur grenzwertig scheiße.

Am Ende trickse ich ihn aus, indem ich ihn in die Nähe des Frachters locke, den ich eigentlich beschützen soll. Der Jux: Der Frachter kann offenbar ein paar fettere Dinger austeilen als ich. Er knallt der „Gladius“ ein paar Dinger vor den Latz und ich gebe ihr den Rest. Dann kommt noch eine zweite „Aurora“ dazu, die ebenfalls Stunk sucht und mit der ich die gleiche Nummer abziehe, bis sie platzt.

Ich muss dabei ehrlich sagen: Die Kämpfe fühlen sich total bekackt an. Die Steuerung ist schwammig ohne Ende und die NPCs fliegen sich eine katastrophale Scheiße zusammen, sodass die Hälfte des Gefechts daraus besteht, dass wir uns gegenseitig rammen. Und die Tatsache, dass meine Karre nicht genügend Schmackes hat, um ein richtiges Ding auszuteilen, ist ebenfalls ein riesengroßer Mist. Zeitweise frage ich mich, wozu die „Aurora“ eigentlich gut sein soll, denn sie kann im Grunde so ziemlich überhaupt nix. Aber gut, daran muss RSI dann eben noch feilen. Wenn man sich überlegt, was bei dieser Alpha alles nicht funktioniert, dann gehören die Gefechte noch zu den besseren Momenten. Und natürlich zieht die katastrophale Framerate mit ihren Mikro-Freezes immer wieder alles in den Dreck.

Ach ja: Natürlich könnte ich mir jederzeit ein besseres Schiff als die „Aurora“ kaufen. Die „Aurora“ war im „Digital Mercenary“-Pack dabei, das ich mir zum Einstieg geleistet habe. Wenn man aber sieht, dass ein einigermaßen ansprechendes Kampfschiff gleich mal mit ca. 120 Euro zu Buche schlägt, dann ist man plötzlich mit der „Aurora“ doch sehr zufrieden. Vielleicht sollte ich mal über ein paar dickere Knarren nachdenken.

Wie dem auch sei: Am Ende sind alle bösen Buben abgeknallt und die Mission … gescheitert.

Weswegen? Keine Ahnung.

Ich entscheide, den blöden Frachter nun selbst zu klauen.

Der Ausstieg und die Annährung funktionieren tadellos, denn der Frachter hat inzwischen einfach gestoppt und hängt jetzt blöd in der nicht vorhandenen Luft herum.

Dann die Enttäuschung: Ich kann den Einstieg schon sehen, doch leider nicht dorthin gelangen. Vor mir ist ein Laufsteg, doch wenn ich versuche, über das Geländer zu gelangen, dann werde ich wieder zurückgeworfen. Ich bin angepisst, schwebe zu meinem Schiff zurück und nehme den nächsten Auftrag an.

Der ist dann endlich mal allererste Sahne: Ich soll zu einer Raumstation fliegen und dort einen Versicherungsfall aufklären. Dazu muss ich Daten sammeln und diese zu einem Kontakt auf Port Olisar übermitteln. Und das funktioniert alles dermaßen gut, dass schon wieder so etwas wie Vorfreude auf das fertige Spiel aufkommt. Das Infiltrieren der Raumstation, das Suchen nach einem Eingang, das Durchkämmen des Interieurs – das geht zwar alles ziemlich behäbig vonstatten, ist aber saumäßig interessant. Nicht die „Fließbandarbeit“, die man bei „Elite: Dangerous“ ableistet, sondern ein richtiges, kleines Abenteuer. Und wenn man die Augen offen hält, dann wird klar, dass es von dieser Sorte Abenteuer in der Alpha ganz sicher noch ein paar gibt.

Im Anschluss geht es wieder zurück nach Port Olisar. Dort stelle ich meine ziemlich lädierte „Aurora“ ab, damit sie beim nächsten Ausflug sofort wieder zur Verfügung steht.

Am Ende noch ein sehr geiler Moment: Ich schalte auf die 3rd-Person-Perspektive um und gehe ganz cool von meinem Schiff weg. Unterdessen landet im Hintergrund ein Frachter. Das Ganze läuft in diesem Augenblick so geschmeidig, dass es schon fast wie ein Kinofilm wirkt.

Zurück in der Station ist der gute Eindruck dann aber schon wieder im Eimer.

Irgendwelche Arschwichser haben ihre Essensreste und dreckiges Geschirr auf der Wohnebene einfach zurückgelassen. Scheiß asoziales Dreckspack, verdammtes!

Ist mir aber auch irgendwie egal. Ich gehe jetzt erstmal kacken.

Tähä, das war lustig … stellenweise, zumindest.

Um mal ein kleines Fazit zu liefern:

Die Performance ist noch eine Katastrophe und das Ding ist mit üblen Fehlern durchsetzt, die stellenweise das Gameplay an die Wand fahren. Von den verschiedenen CTDs, die ich inzwischen schon erlebt habe, wollen wir gar nicht reden. Von daher gesehen ist die Alpha 3.0 ziemlich zum Kotzen und hätte in diesem Zustand nicht auf die Server kommen sollen. Es hängt und hakt an allen Ecken und Enden und alles fühlt sich noch irgendwie falsch an.

Aber hey, es ist eben nur eine Alpha und kein fertiges Spiel. Ich muss zugeben, ich habe nichts anderes erwartet als dieses Chaos. Und es lässt sich ja auch schon einiges damit anfangen, wenn man das Glück hat, eine stabile Instanz zu erwischen. Alleine die ganzen Ecken, die es zu erkunden gilt, sind schon sehenswert. Die Planetenlandungen sind zwar ziemlich aufwändig und langatmig, aber optisch schon verdammt gut.

Sehr entspannend fand ich auch die Tatsache, dass jeder sein eigenes Ding machte und niemand so recht auf Konfrontation aus war. Aber das ist wohl auch stark von der Instanz abhängig, die man gerade erwischt. Nun, mir ist das egal. Sollte in meiner Instanz jemand Stunk suchen, dann wird er ihn kriegen, und zwar nicht so knapp. Dann jage ich den Typen, bis er freiwillig ausloggt – auch wenn ich dabei x-mal draufgehe.

Um zum Schluss noch den Vergleich zu „Elite: Dangerous“ zu bemühen: „Elite: Dangerous“ spielt sich natürlich sehr viel geschmeidiger. Immerhin hat man es hier mit einem nicht ganz so aufwändigen und außerdem fertig programmierten Spiel zu tun. Die Planetenlandungen sehen auch in „Elite: Dangerous“ unverschämt gut aus. Sie gehen schneller vonstatten, kommen aber mit Unterbrechungen daher. Die Kämpfe sind in „Star Citizen“ sehr viel dynamischer, aber dafür auch noch extrem hakelig. In meinen Augen der wesentlichste Unterschied ist aber, dass „Elite: Dangerous“ mit Größe protzt, diese Größe jedoch nicht so recht auszufüllen vermag. „Star Citizen“ kommt in seiner Alpha sehr kompakt daher, doch dafür gibt es in diesem einen kleinen Sternsystem richtig viel zu entdecken. Und die Missionen wirken auch angenehm komplex im Gegensatz zu den lieblosen Aufträgen von „Elite: Dangerous“.

Ich freue mich in jedem Fall auf den weiteren Fortschritt von „Star Citizen“ und den Release von „Squadron 42“.

Und jetzt zocke ich mal eine Runde „Elite: Dangerous“. Ich muss mich echt mal von diesen verkackten 22 FPS erholen …

© 2017, 2018 Niels Peter Henning

Impressum/Disclaimer (und lecker Kochrezepte)
Frontier Theme