Die Thargoiden – warum hatte das so laufen müssen? Na, weil …

Die Thargoiden sind wieder da … doch leider sind die Angstgegner von einst zu armseligen Schießbudenfiguren verkommen. Und Frontier Developments macht auch keine gute Figur …

Endlich das Update, auf das wir alle gewartet haben – und dummerweise ist es bislang auf exakt die Art und Weise in die Hose gegangen, wie es viele befürchtet haben.

Mal ganz ehrlich: Was konnte man von den Thargoiden denn erwarten? Ich gehöre ja nun wirklich nicht zu diesen „Ich hab’s ja gleich gesagt“-Rechthabern, aber Scheiße nochmal: Ich hab’s ja gleich gesagt! Die Thargoiden werden genau das, was sie schon zu C-64 Zeiten waren – nichts weiter als extrem starke NPCs. Und genau diesen Salat haben wir jetzt.

Da hat Frontier Developments nun schon seit Monaten die Ankunft der Thargoiden angeteasert. Eine Unzahl an geheimnisvollen Alien-Artefakten und -Locations wurde ins Spiel gebracht, alle Hobbyforscher haben sich auf diesen Content gestürzt wie Hitler auf Polen, Rätsel wurden gelöst, Hinweise entdeckt und Alien-Maschinen aktiviert. Und dann schmeißen sie den Spielern nichts weiter hin als ein paar NPCs, die dusselig durch die Gegend fliegen und ziemlich exakt gar nichts tun, wenn man sie in Ruhe lässt und wenn man keine kompromittierende Fracht mit sich herumschleppt.

Dabei hätte das alles ein richtiges Ding werden können, hätte man die Sache ein wenig anders gestartet.

Man stelle sich einmal vor, die Thargoiden wären tatsächlich als saugefährliche Gegner eingeführt worden. Als richtige Schreckgespenster. Fremdartige Dämonen, die im Witchspace lauern und arme, unbedarfte Commander überfallen. Unzerstörbare Monsterschiffe, die sich über Frachtschiffe hermachen. Einer wird vernichtet, einer kann flüchten, einer erleidet für eine gewisse Zeit einen Blackout und wird von einem grellen Licht geblendet … und wieder andere werden einfach in Ruhe gelassen. Und dann geht das Rätselraten los: Was wollen die? Warum werden einige vernichtet? Weswegen dürfen einige einfach weiterfliegen? Und was hat es mit diesem Licht und dem Blackout auf sich?

Und dann hätte sich allmählich alles aufgedröselt. Es hätte eben um bestimmte Merkmale der Schiffe oder der Fracht gehen müssen. Vielleicht um bestimmte Eigenschaften der Spieler selbst (das stelle man sich einmal vor: Die Thargoiden reagieren auf irgendwelche Angaben in der individuellen Statistik eines Spielers – das wäre mal ein Ding gewesen!). Und dann stellt sich nach und nach heraus, dass die Aliens einen fiesen Plan schmieden – und ausgerechnet die Spieler, die einen Blackout erleben mussten, werden zu unfreiwilligen Erfüllungsgehilfen, weil in ihren Schiffen irgendwelche Alienscheiße installiert wurde, die plötzlich losknallt und einen Wahnsinnsschaden anrichtet.

Und während dieser ganzen Zeit hätten die Thargoiden vor allem eins sein müssen: Unzerstörbar. Wer auf sie ballert, der ist reif. Irgendeine fiese Alienwaffe. One-hitter. Ohne jegliche Kompromisse.

Es war doch klar, dass sofort einige Actionfans das Feuer eröffnen – einfach nur, um zu schauen, ob da was geht. Wäre da nichts gegangen, die Thargoiden aber dennoch als Bedrohung aufgetreten, dann hätte die ganze Sache eine andere Wendung genommen. Und ich bin sicher: Die Ballerstaller hätten nicht so schnell aufgegeben. Wenn’s einer alleine nicht schafft, dann kommt man eben zu viert. Und wenn das nicht klappt, dann müssen eben zwei dicke Wings ran. Und bis dann schlussendlich klar gewesen wäre, dass da gar nichts geht (meinetwegen hätten die Thargoiden ja gewisse „Beschädigungen“ oder „Schwächungen“ zeigen, aber dennoch unzerstörbar bleiben können), dann hätte schon allmählich die nächste Eskalationsstufe gezündet werden können.

Und dann, nachdem die Bombe geplatzt wäre, hätte man dem Spiel einen ganz neuen Drive verpassen können. Dann hätten allmählich die neuen Waffen kommen können. Allerdings nicht nur in Form einfacher CGs, wie sie jetzt schon alle Woche durchdudeln, sondern unter permanenter Bedrohung durch die Thargoiden. Und das hätte eine richtig fiese Sache werden müssen. Keine Chance mehr, eine auf Sprungreichweite und Frachtkapazität getrimmte Handelscutter mit Papierschilden im Solo herumzuschippern, ohne dass es richtig knallt in der Rübe. Auf diese Weise hätte man dann auch das Teamplay ein wenig stärken können (was sogar ich als Nicht-Multiplayerfan richtig klasse gefunden hätte).

Und erst dann hätte ganz allmählich die eigentliche Invasion starten können. Ganz allmählich. Und die hätte massiv werden müssen. Die ganze verkackte Blase hätte gebügelt werden müssen. Bis dahin hätten dann Sprungtore oder ähnliches etabliert werden können, damit die Leute nach Colonia hätten abhauen können – oder eben „im Untergrund“ von ein paar „versteckten“ Systemen in Guerilla-Manier kämpfen können. Da hätte man Missionen generieren können … Thargoiden-Konvois überfallen, die Frachter vernichten und rasch abhauen, bevor die heißen Jungs ankommen. Oder Bodeneinrichtungen attackieren/bombardieren. Man hätte richtig etwas reißen können!

Dann, am Ende der „Kampagne“ (die man mit etwas erzählerischem Geschick durchaus über mehrere Wochen hätte ziehen können, ohne dass es langweilig geworden wäre), hätte natürlich der Gegenschlag stehen müssen. Das Ganze hätte dann zu einem Patt führen müssen, sodass die Thargoiden zuletzt tatsächlich nur noch das gewesen wären, was sie nun im Grunde schon sind: NPCs, die einem einiges Kopfzerbrechen bereiten können, ohne wirklich unbesiegbar zu sein. Man hätte schließlich neben den drei Supermächten eine weitere Fraktion ins Spiel gebracht, die etwas aggressiver hätte agieren können.

Hätte alles sein können. Stattdessen wurden wir mit blöden Alien-USS in den Pleiaden buchstäblich zugespamt, in denen einfach nur Schießbudenfiguren herumflogen, die noch nicht einmal sonderlich bedrohlich oder unheimlich aussehen, sondern einfach nur lächerlich sind. Optisch beeindruckend, aber nichtsdestotrotz lächerlich. Man fragt sich einfach, ob die Designer bei Frontier Developments noch nicht „Alien“ gesehen haben. Hätten sie sich man anschauen sollen, dann hätten sie weitaus furchterregendere Schiffe designen können.

Dann bekommen die Spieler beinahe sofort Waffen in die Hand, mit denen die Alien-Blümchen ratzfatz zu Kanonenfutter degradiert werden. Und weil das ja irgendwie Scheißdreck ist (immerhin hat es ja nur ein paar Tage gedauert, bis dieser Punkt erreicht war), mussten die Waffen ganz einfach nutzlos gemacht werden … damit man noch größere und bösere Waffen zusammengrinden muss.

Ganz hart gesagt: Wenn Frontier Developments nicht noch eine schier unfassbar geniale Trumpfkarte aus dem Ärmel zieht und die ganze Geschichte doch noch auf überraschende Weise herumreißt, dann ist das Ding legendär verkackt – mit Gummibärchen dran und Kerzchen obendrauf.

Wie viele im inoffiziellen deutschen Elite-Forum immer wieder sagen: Es wird einfach unglaublich viel Potential verschenkt. Das ist in der Tat so – insbesondere bei den Thargoiden, mit denen man Elite tatsächlich „dangerous“ hätte machen können.

Und wäre es jemanden zu hart geworden, dann hätte er sich einfach nach Colonia verdrücken und dort in Ruhe vor sich hin spielen können.

Aber gut, ich habe im englischen Forum einen Beitrag gelesen, in dem jemand sagte, es mache wenig Sinn, sich über das Spiel in seinem derzeitigen Zustand aufzuregen. Es gebe offenbar genügend Spieler, die das Spiel genauso haben wollen, wie es jetzt ist. Und vor allem scheint Frontier Developments das Spiel genauso haben zu wollen, wie es jetzt ist.

Wer weiß, vielleicht können die einfach keine Geschichten erzählen. Vielleicht wollten die tatsächlich ein Spiel, dessen Sinn es ist, den Spieler mit immer neuem Grind zu konfrontieren. Vielleicht stehen die Jungs auf so etwas und können sich gar nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die unter einem guten Spiel etwas anderes verstehen. In diesem Fall kann man sich eigentlich jegliche Kritik schenken, ungeachtet dessen, wie konstruktiv sie auch sein mag.

Tja, schade. Wenn es so weitergeht wie bis jetzt, dann landen die Thargoiden in einer Reihe mit spielerischen Fehlzündungen wie z. B. das Powerplay und werden damit für mich vollkommen uninteressant. Nun, das wird nicht bedeuten, dass ich mich von Elite: Dangerous abwenden werde. Es gibt in diesem Spiel einfach noch zu viele Dinge, die ich ausprobieren oder erreichen möchte und es gibt auch zu viele Dinge, die mir einen Heidenspaß machen (in VR mit einem Begleitjäger herumdüsen und das Dickschiff unterdessen vom NPC steuern lassen – unbezahlbar!). Es bedeutet lediglich, dass ich einen gewissen Spielinhalt einfach ignoriere und tatsächlich reichlich enttäuscht bin, weil ich mir gerade von dieser Sache doch etwas mehr versprochen hatte.

© 2017 Niels Peter Henning

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