Rebel Cheese

Ich habe das geschafft, was Donald Trump gerne schaffen würde: Ich habe America again great gemaked. Und das, indem ich die Nordkoreaner besiegt habe. In Amerika! Das findet Ihr komplett Banane? Tja, da habt Ihr Recht …
 

Die passende Geste zum Abschluss. Hurra, wir haben gewonnen. Wir haben America again great gemaked. USA! USA!


 
Zunächst einmal muss ich ein Wort zur Überschrift loswerden: Man könnte eigentlich denken, ich lasse mich jetzt über ein total käsiges Spiel aus. So soll das aber nicht verstanden werden. Die Sache war die: Während ich diese Zeilen schreibe, ist es Montag früh und ich bin noch sackmüde. Deswegen fällt mir nichts Gescheites ein. Weil ich aber immer ans Fressen denke, kam mir gerade eine kleine Fastfood-Kette in den Sinn, die einmal eine Filiale in meiner Heimatstadt hatte. Die nannten sich „Imbiss Rebell“. Bei denen gab es dann Burger mit Namen wie z. B. „Rambo Rebell“ (ein Riesenmonster von einem Burger, das man kaum runterbekam, weil die Frikadelle so dick war) oder eben „Rebel Cheese“ (wobei es sich – wer hätte das gedacht? – um einen Cheeseburger handelte). Fand ich als Überschrift ganz griffig, denn schließlich geht es ja auch in „Homefront: The Revolution“ um Rebellion. Aber wie ich gerade sehe, existiert die Webseite von Imbiss Rebell nicht mehr. Wahrscheinlich haben sie den Arsch zugekniffen. Zwar schade, aber kann ich verschmerzen. Soooo toll waren die Burger dann doch nicht.

Ach ja, da war ja noch die Sache mit diesem Computerspiel …
 

Diese Hafenszenerie ist eine der beeindruckenderen in „Homefront: The Revolution“


 
Also, es geht um den Shooter „Homefront: The Revolution“. Ein bisschen Open World, ein bisschen „Far Cry“-mäßig, was sicherlich auch an der Cryengine liegt, mit der das Spiel befeuert wird. Die Entwicklungsgeschichte scheint ein totales Chaos gewesen zu sein, weil wohl ein Studio und ein Publisher nach dem anderen bankrott ging, sodass sich alles immer wieder verzögerte. Irgendwie ist das alles völlig an mir vorbeigegangen und ich habe nur per Zufall davon erfahren, als das Spiel bei Steam mal im Angebot war. Da habe ich es mir dann für ein paar Kröten geschossen. Ich muss sagen, die Investition hat sich gelohnt.
 

An allen Ecken gibt es NPCs, die einem ein Gespräch aufzwingen.

Die Story (ja, es gibt glücklicherweise eine) ist ziemlich gaga. In einer alternativen Zeitlinie haben sich die Nordkoreaner zum größten Techniklieferanten der US-Streitkräfte gemausert. Als die Amis dann ihre Rechnungen nicht mehr zahlen konnten, haben die Koreaner (im Spiel als „Norks“ bezeichnet) dann einfach den Stecker gezogen (offenbar hatten sie in ihre Technik ein Hintertürchen eingebaut, das niemand bemerkt hatte) und die USA kurzerhand militärisch besetzt. Selbstverständlich sind die Norks ganz üble Besatzer, die nichts anderes zu tun haben, als die arme, wehrlose Zivilbevölkerung bis aufs Blut zu quälen. Ganz klar: Da muss sich der Widerstand formieren. Dabei macht auch ein gewisser Ethan Brady mit, dessen Rolle wir übernehmen. Der Gute ist noch ganz neu beim Widerstand in Philadelphia und ausgerechnet genau vor seiner Nase nehmen die Norks den absoluten Übervater des Widerstands gefangen. Fortan muss Brady nun für die Befreiung dieses Anführers kämpfen. Die Story dreht dabei ein paar heftige Kapriolen und es endet damit, dass kein anderer als Brady selbst die entscheidende Schlacht schlagen muss, weil alle anderen irgendwie am Arsch sind oder nicht wollen oder sonstwas dazwischengekommen ist.
 

Solche Panoramen sind eher die Ausnahme. Meist wird in Häuserschluchten gekämpft.


 
Das Ganze sieht ein bisschen aus, als habe jemand die großen Karten aus dem dritten oder vierten „Far Cry“ in kompakte Fetzen gerissen und auf diese Weise mehrere Spielgebiete erzeugt, jedes mit einer ganz eigenen Atmosphäre und Farbgebung. Diese Gebiete werden zunächst komplett von den Norks beherrscht, doch man kann – ähnlich wie bei „Far Cry“ – Stützpunkte überfallen und somit in Verstecke für den Widerstand verwandeln. Je mehr Stützpunkte man befreit, desto mehr NPCs schließen sich dem Widerstand an, sodass es immer einfacher wird, den Norks den Arsch zu versohlen. Außerdem gewinnt man auf diese Weise immer mehr Rückzugsräume, in denen man ungestört aufmunitionieren kann.

Brady selbst ist mit einem ganz netten Waffenarsenal unterwegs, das man allerdings nach und nach freispielen muss. Anschließend können die Puffen noch aufgerüstet werden. Die Auswahl ist eigentlich ganz übersichtlich (Pistole, Kampfgewehr, Sturmgewehr, Schrotflinte, Armbrust, Raketenwerfer), aber jede Kanone (bis auf den Raketenwerfer) hat drei Waffenmodi, zwischen denen hin und her geswitcht werden kann. So lässt sich das Kampfgewehr noch in eine Präzisionsknarre oder einen Werfer für Mini-Suchraketen gegen Infanterie verwandeln. Aus dem Sturmgewehr kann man ein LMG oder einen Haftminenwerfer machen. Außerdem gibt es noch verschiedene Aufsätze in Form von Zielfernrohren, Handgriffen, Schalldämpfern, Mündungsbremsen und was-weiß-ich-noch für einen Quatsch, den man auch wieder nach und nach freispielen muss. Ziemlich witzig ist der Wechsel von einem Modus zum anderen. Brady zerlegt die Kanone dann nämlich in Echtzeit und baut sie rasch um. Das geht flott und sieht echt cool aus.
 

Eine vergaste Trümmerlandschaft. Erinnert an „S.T.A.L.K.E.R.“. Schicke Atmosphäre, aber auf die Dauer bekommt man vom Gelbstich eins an die Waffel.


 
Im Endeffekt bin ich dann aber hauptsächlich nur mit MP und LMG als Standardwaffe rumgelaufen. Je nachdem, wie der Auftrag aussah bzw. die jeweilige Zone aufgebaut war, kamen dann Präzknifte, Armbrust oder Raketenwerfer dazu. Damit habe ich eigentlich alles problemlos hingekriegt. Als kleine Helferlein gibt es dann noch jede Menge Sprengkörper, Knallfrösche für Ablenkungsmanöver oder sogar Hacking-Geräte, mit denen man die Technologie der Norks für eine gewisse Zeit „umdrehen“ und gegen die Norks einsetzen kann.

Im Grunde genommen ist das Spiel ganz witzig. Der Umfang ist sehr anständig, aber ich hatte es trotzdem relativ schnell durch. Langweilig wurde es dabei nicht, auch wenn man immer wieder das Gleiche macht. Rumlaufen, Lager befreien, hier und da ein paar Radios einschalten, Bürger befreien oder Scheiße in die Luft jagen. Richtig herausfordernd wird das Ganze dabei nicht. Die Gegner sind so doof wie in „Call of Duty“. Erzeugt man eine Art „Flaschenhals“, dann kommen sie schön in Reih und Glied anmarschiert und lassen sich wegbolzen, einer nach dem anderen.

Man muss übrigens nicht zwingend alle gegnerischen Stützpunkte einnehmen oder alle Nebenaufgaben erfüllen. In der Regel muss man die Nebenquests in jedem Gebiet nur bis zu einem bestimmten Punkt verfolgen, um den Hauptquest wieder zu triggern. Ich habe aber zumindest alle Stützpunkte freigespielt und meistens auch alle „Sammelaufgaben“ (Schalte soundsoviel Radios ein, schalte soundsoviel feindliche Scharfschützen aus, sabotiere soundsoviel Sachen) abgeschlossen, wobei aber noch einiges übrig blieb.
 

Auch hier gibt es sie – zumindest einmal: Seilrutschen.


 
Was für mich den Reiz der ganzen Sache ausgemacht hat, war das Schleichelement. Es ist nämlich besser, verdeckt vorzugehen, als wild um sich ballernd durch die Gegend zu rennen. Ratzfatz hat man nämlich ein ganzes Rudel Norks am Arsch. Und selbst wenn man die Flaschenhalsmethode zur Anwendung bringt, wird das nix. Es kommen nämlich immer neue Norks. Und zwar so lange, bis sie die Spur verloren haben. Dazu muss man aber in Bewegung bleiben. Kommt man dabei ins Rennen und passt nicht auf, dann tobt man meistens geradewegs in die nächste Nork-Patrouille und das war’s dann. Also lieber heimlich, still und leise. Und wenn man doch mal einen Fiesling wegpusten muss, dann sollte man einfach so schnell wie möglich in einem Gebäude verschwinden. Auf diese Weise verlieren die miesen Möpps die Spur und suchen am falschen Ende. Zuletzt war das schon fast frustrierend einfach …

Hat man genügend Spektakel veranstaltet, dann gehen die Massen auf die Straßen und geben den Kories auf die Fresse.


 
Das Ganze sieht auch noch ziemlich gut aus. Die Cryengine bekommt ein paar echt schicke Sachen hin. Hier und da klemmt es aber. Da waren beispielsweise einige Knallköppe, die in Häuserwände geglitcht waren. Nur die Knarre guckte noch raus. Natürlich fingen die prompt das Schießen an, als ich vorbeikam. Die machten mich fertig, aber ich konnte nicht an sie ran, weil sie in der Mauer steckten. Na ja, es gab auch noch weitere Clipping-Geschichten und fliegende Gegenstände, aber reden wir nicht davon. Alles in allem sah das echt gut aus, auch wenn nur wenige beeindruckende Panoramen dabei waren.
 

Am Ende müssen Luftschiffe mit Raketen abgeknallt werden. Schön blöd, wenn die Dinger dann nicht treffen.


 
Der Sound ist nicht übel, aber auch nicht wirklich spektakulär. Man hat relativ schnell alle Samples gehört und das „Angriffsgegröhle“ der Norks (das ein bisschen so klingt, als müsse der Nork gerade kotzen) geht einem irgendwann tierisch auf den Senkel. Die Waffengeräusche sind größtenteils ok. Lediglich das LMG klingt ein bisschen schwächlich. Die deutschen Sprecher geben sich redlich Mühe. Hier und dort überdrehen sie aber ein bisschen. In Kombination mit der etwas zu steif geratenen Mimik der NPCs kommt das stellenweise schon ziemlich lustig rüber. War aber ganz sicher nicht so gedacht.
 

Am Ende wird das Spiel dann doch ein bisschen künstlich in die Länge gezogen, bis endlich der scharfe Schuss losgeht.


 
Coole Idee: An einer Stelle im Spiel ist ein Videospielautomat versteckt, den Brady sogar bedienen kann. Zu meiner Überraschung ging dann plötzlich ein Spiel im Spiel los. Wie ich später nachlesen konnte, handelt es sich offenbar um einen alten Titel des Publishers, dessen erste Levels man dann anspielen kann. Dabei habe ich eine Menge Zeit liegenlassen, weil ich dachte, man müsse das spielen, damit man dann in der Story weiterkommt.

Und dann habe ich noch etwas gemacht, was ich sonst eigentlich nie mache: Es gibt eine einzige Stelle, an der man eine Entscheidung treffen muss. Man kann wählen, ob man einen Verräter am Leben lässt oder ihn kaltmacht. Normalerweise bin ich an solchen Stellen immer der nette Kerl, der dem Verräter noch eine zweite Chance gibt. Diesmal aber nicht. Als es hieß, ich habe die Wahl, da hatte ich dem Burschen schneller das Messer in den Bauch gesteckt als sonstwas. Da gab es für mich gar keine Alternative. Kompliment an die Spieledesigner: Da haben sie ein echt gutes Arschloch kreiert (auch wenn die Figuren eigentlich durchweg total blass und uninteressant sind). Keine Ahnung, ob das später Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf hatte. Werde ich auch nie rausfinden. Juckt mich auch nicht.
 

Volltreffer! Das Korie-Luftschiff ist am Arsch. Zu diesem Zeitpunkt ist man schon nur noch Passagier im Spiel.


 
Kurz vor Ende geht das recht offene Spiel dann in eine lineare Schlauchgeschichte über. Bevor man das zündet, wird man aber gefragt, ob man nun wirklich ins Endgame gehen will oder ob man zuvor noch irgendwelche anderen Aufgaben erledigen möchte. Hat man noch nicht alle Zonen befreit oder möchte man noch ein bisschen was sammeln, dann kann man auch wieder zurück und in die einzelnen Abschnitte springen, um Nebenquests zu erledigen. Zündet man hingegen das Endgame, dann gibt es kein Zurück mehr. Allerdings muss man dann noch einmal durch verschiedene Zonen, in denen man zuvor schon war. Hat man dort nicht alle Stützpunkte befreit, dann kriegt man es mit mehr Norks zu tun als in befreiten Gebieten. Konnte mir aber egal sein. Ich hatte zuvor schon alles plattgemacht.
 

Das Volk jubiliert, während die Kories mächtig auf die Nuss bekommen.


 
Bisschen doof: Ich hatte am Schluss einen richtig schönen Bossfight erwartet. Im Spiel selbst gab es keinerlei Minibosse oder sonstige Abschnittsendgegner. Genau genommen gibt es nur sehr wenige Gegnertypen, von denen sich die meisten mit wenigen Treffern ausschalten lassen. Selbst die etwas stärkeren MG-Schützen sind schnell platt, wenn man die richtige Stelle trifft. Und die Fahrzeuge sind nur Lachnummern, wenn man ein Hacking-Gerät dabei hat. Setzt man das ein, dann bügeln die Fahrzeuge nämlich die eigenen Leute um und lassen sich dann auch noch treu und brav abknallen. Das ist alles nicht so wild. Blöderweise wartete ich am Ende aber vergebens. Ich musste lediglich noch ein paar Pappnasen schon beinahe in Railshooter-Manier niedermachen, bevor das Spiel schließlich in eine lange, finale Scriptsequenz überging und dann den Abspann abdudelte.

Ach, scheißegal. „Homefront: The Revolution“ ist ein cooler Shooter für Zwischendurch. Nix, was mir sonderlich lange im Gedächtnis bleiben wird, aber andererseits auch keine totale Zeitverschwendung. Das Ding hat trotz aller Macken Spaß gemacht und war sein Geld wert.
 
 

© 2017 Niels Peter Henning

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