Das Call of Duty Tagebuch – Teil 15

Nach „Black Ops 3“ sehe ich dauernd neben meiner Tastatur einen kleinen Minion stehen, der mich anschaut und fragt: „Banana?“ Ehrlich, Leute: Dieses „Call of Duty“ ist wirklich komplett vermurkst!

Das war also nun „Black Ops 3“. Ich hatte ja schon im Vorfeld gelesen, die Story sei gerade zum Ende hin ein wenig abgedreht, aber dass das Ding gleich so übel entgleist, hätte ich nicht gedacht!

Eigentlich müsste ich jetzt versuchen, den Plot zu erklären. Das geht aber nicht, ohne gleich einen Roman zu schreiben. Es ist ein Ding, irgendwo zwischen dem Edgar-Allan-Poe-Zitat „is all what we see or seem nothing but a dream within a dream“, dem Film „Jacob’s Ladder“ und ein bisschen „Matrix“. Was für mich das Schlimmste dabei war: Ich trudelte am Ende aus der Story heraus, die über eine gewisse Zeit scheinbar sehr linear abläuft, und hatte überhaupt nichts kapiert. Null. Nada.

Klar, manchmal sind die Plots von Videospielen so Banane und austauschbar, dass man einfach nicht darauf achtet und dabei dann etwas Wichtiges übersieht, sodass man am Ende eine Pointe nicht schnallt. Doch diesmal war es wirklich übel. Ich war eigentlich sehr konzentriert bei der Sache und achtete auch auf Details, konnte das Ding am Ende aber nicht aufdröseln. Also habe ich ein wenig im Netz recherchiert und tatsächlich eine umfassende Erklärung gefunden. Dabei gingen mir dann zwei Dinge auf:

  • Erstens: Es gibt anscheinend eine „Graphic Novel“ (keine Ahnung, was damit gemeint ist … muss wohl eine Art Comic sein, das mir völlig entgangen ist), in der eine Vorgeschichte erzählt wird. Diese Vorgeschichte wiederholt sich dann auf seltsame Weise im Spiel, was ein Hinweis darauf ist, dass im Spiel stellenweise Erinnerungen anderer Personen „nachempfunden“ werden.
  • Zweitens: Irgendwo im Spiel ist ein Dossier einsehbar, das wohl ergänzende Informationen erhält, die der Aufklärung der ganzen Sache dienlich sind. Blöderweise habe ich keine Ahnung, wo dieses komische Dossier zu finden ist.

So kam es, dass das ganze Spiel für mich lediglich ein einziger, gigantischer „What the Fuck?“-Moment war. Am Ende wird es sogar derartig plemplem, dass ich mich beinahe im Minutentakt fragte, was das jetzt wieder für eine Scheiße ist, die da gerade auf mich einprasselt.

Aber ob man es glaubt oder nicht: Die ganze Geschichte ergibt tatsächlich einen Sinn. Man benötigt lediglich alle Zusatzinformationen, denn das Spiel selbst liefert nicht genügend Inhalt, um die ganze Geschichte zugänglich zu machen.

Und das ist SCHLECHT!

Das ist richtig abgrundtief grottenschlecht. Wenn ich erst ein scheiß Comic lesen muss, um die Handlung eines Computerspiels zu kapieren und das Spiel selbst gibt mir keinen Hinweis darauf, dass es einen Comic gibt, den man zuvor lesen sollte, dann ist das ein gnadenlos mieser Stil. Und selbst wenn ich dieses Comic gelesen hätte, wäre die Handlung immer noch zu verquast, um sie im Lauf des Spiels vernünftig verfolgen zu können.

Abgesehen davon ist die Handlung nichts weiter als ein gigantischer, überambitionierter Misthaufen. Eine blöde Idee, blöd umgesetzt.

Und? Ist das nun der Moment, in dem „Call of Duty“ endgültig doof wird?

Na ja, ein bisschen vielleicht. Das scheint so eine Geschichte zu sein, die immer wieder bei den von Treyarch inszenierten Teilen hochkommt. Bis auf das erste „Black Ops“ haben die so ziemlich alles vergeigt. Und diesmal konnte mich auch die Technik nicht wirklich überzeugen.

Man könnte nun sagen, dass es sich um einen grundsoliden Shooter handelt, bei dem man diverse Technikgadgets zum Einsatz bringen kann. Das ist noch nicht einmal unspaßig, muss ich zugeben. Allerdings wird es erst gegen Ende einigermaßen lustig, denn man muss diese Gadgets erst nach und nach freischalten. Um so richtig Spaß zu haben, müsste man dann einen zweiten Durchgang spielen. Und das ist völlig ausgeschlossen! Nochmal halte ich diesen Quatsch nicht aus.

Noch ein Schwachpunkt: Beinahe die gesamte Gameplay-Mechanik ist von dem nur wenig erfolgreichen Ego-Shooter „Syndicate“ abgekupfert – und das auch noch so richtig kackdreist. Mich wundert, dass es dazu noch keine kritischen Stimmen gegeben hat. Und da mir „Syndicate“ so dermaßen überhaupt nicht gefallen hat, dass ich dieses Scheißspiel nie zu Ende gespielt habe, kann man sich vorstellen, wie sich „Black Ops 3“ für mich anfühlte.

Das wirkt alles irgendwie nicht „richtig“. Ganz egal, welcher Bombast da gerade abgeht, es fühlt sich alles auf eine merkwürdige Weise falsch an. Es kommt einfach zu keinem Augenblick dieses „Call of Duty“ Gefühl auf, das Infinity Ward so richig prima rüberbringen kann. Und auch die Cutscenes können diesmal nicht überzeugen. Wer irgendwelche „Big Pictures“ erwartet, der wird bitter enttäuscht. Sicher, es fliegt eine Menge Scheiße in die Luft und es gibt abgedrehte Anblicke, aber da ist kein einziger „Wow!“-Moment dabei. Sound und Grafik konnten mich auch nicht wirklich überzeugen. Klar, die Grafik ist schon recht detailliert, doch ich kann nicht behaupten, das hätte mich vom Hocker gerissen. „Crysis 3“ kann das bei Weitem besser!

Ach ja: Die deutsche Synchronisation ist hart an der Grenze zum Ultratrash. Eine derart miese Synchro habe ich wirklich selten erlebt, auch wenn die jeweiligen Zitate korrekt übersetzt sind. Und auch die Auftritte der Digitalversionen von Katee Sackhoff und Robert Picardo reißen nichts mehr raus.

Am Ende hatte es mir doch ein wenig in den Fingern gejuckt, den Zombiemodus nochmal auszuprobieren, aber ich war dermaßen angeschissen, dass ich sofort auf „Deinstallieren“ geklickt habe. Außerdem gibt es dann noch einen weiteren Spielmodus namens „Albtraum“, in dem man verschiedene Levels aus einer anderen Perspektive betrachten kann – und der vielleicht sogar schlussendlich die Auflösung des Ganzen bietet (obwohl … da war von „lebenden Toten“ die Rede – das passt nicht zur eigentlichen Handlung). Aber auch das wollte ich mir nicht antun.

Es muss wirklich nicht sein, dass ich mehr Zeit als nötig in einen Shooter, der bestenfalls im unteren Mittelfeld des Genres bestehen kann, investiere. Dann schaue ich lieber mal, ob „Infinite Warfare“ wieder ein bisschen war rausreißt. Im Anschluss daran ist es dann Zeit, das endgültige Fazit zu ziehen. „World War II“ lasse ich dabei dann noch außen vor, denn das werde ich mir erst in einiger Zeit beschaffen, wenn es für kleines Geld am Grabbeltisch erhältlich ist (was ja eigentlich nichts Gutes für das Fazit erwarten lässt … oder?).

Updated: 4. Juli 2017 — 14:19
© 2017 Niels Peter Henning

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