Das Call of Duty Tagebuch – Teil 14

Mit etwas gemischten Gefühlen ging es nun an „Advanced Warfare“. Seltsamerweise hatte ich so gut wie keine Erinnerungen an diesen Teil. Ich wusste nur noch, dass Kevin Spacey mitspielt. Ein gutes Zeichen ist das eigentlich nicht. Wird „Call of Duty“ jetzt endgültig doof?

Gleich vorweg: „Advanced Warfare“ spielt komplett in der Zukunft, zwischen 2050 und 2060. Und man spielt nur einen einzigen Charakter auf einer einzigen Zeit- und Handlungsebene. Dementsprechend linear ist auch die Story (ja, es gibt tatsächlich eine). Die ist leider platt wie eine Flunder und vorhersehbar wie ein Roland Emmerich Film, aber als Triebfeder für das Spiel trotzdem in Ordnung. Ganz kurz: Ein junger Soldat versucht im Einsatz einen Kameraden zu retten, schafft es nicht und bekommt einen Arm abgesprengt. Der Vater des gefallenen Kameraden ist zufällig Inhaber des größten Rüstungskonzerns der Welt. Er nimmt den jungen Soldaten bei sich auf, verpasst ihm einen Roboter-/Cyber-Arm und bildet ihn zum Hypersoldaten aus. Terrorbrüder überfallen die USA und sabotieren Atomkraftwerke. Daraufhin übernimmt der Rüstungskonzern das Ruder und löst die völlig kaputte Regierung ab. Vier Jahre später findet der junge Soldat heraus, dass alles ein abgekartetes Spiel war. Der Chef des Konzerns wusste von diesem Anschlag und sabotierte bewusst alle Verteidigungsversuche. Nun arbeitet er daran, den nächsten Konflikt künstlich entstehen zu lassen, denn nur auf diese Weise kann der Konzern immer mehr Geld verdienen. Junger Soldat ist angepisst, gerät ins Visier des Rüstungskonzerns, geht gegen diesen vor und killt schließlich den bösen Chef.

Das ist soweit alles. Hat man schon mehrfach gesehen. Auf Tele5, im Spätprogramm. Meist in irgendwelchen Cannon-Group-Schmierlappen mit Chuck Norris oder Michael Dudikoff. Aber einen Vorteil hat die Geschichte: Man weiß stets genau, wer man ist, wo man ist und was man da zu tun hat.

Ja, zugegeben, die Story ist echt ziemlich kacke. Und das Gameplay ist in den Shooter-Passagen, genau wie bei den Vorgängern, ebenfalls ziemlich Banane. Aber nicht komplett, denn man hat in der Tat ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit und kann sich aussuchen, auf welcher Route man die Feind angeht. Teilweise geht es sogar darum, größere Areale zu verteidigen bzw. vom Feind zu befreien, was sich ganz geschmeidig spielt. Aber ansonsten ist das Teil gar nicht mal schlecht!

Ehrlich, ich fand das Spiel richtig gut. Anfangs stand ich der Sache ein wenig skeptisch gegenüber. Immerhin hat man nun eine ganze Reihe technischer Gadgets, die man nutzen kann. Supersprünge sind möglich, intelligente Granaten können noch kurz vor dem Abwurf umkonfiguriert werden, man kann Gegner mit Schallwellen lähmen oder man kann sich mit einem Greifhaken auf Dächer ziehen lassen oder sich sogar zeitweise unsichtbar machen (was dermaßen dreist von Spielen wie „Just Cause“, „Crysis“ oder „Dying Light“ geklaut ist!). Jede Menge Schnickschnack, der das Gameplay erweitert. Irgendwie war mir das anfangs zu viel. Wenn man dann aber nach den ersten Missionen den Bogen raus hat, diese ganzen Sachen auch wirklich effektiv einzusetzen, macht das echt einen Haufen Spaß.

Die Präsentation fand ich auch richtig gut. Die Grafik sieht – bis auf ein paar ganz kleine Aussetzer – klasse aus und der Sound ist knackig. Die Action ist absolut spektakulär. Es fehlen lediglich ein wenig die Superhighlights, die im Gedächtnis bleiben. Einen Bombast, wie ihn Infinity Ward immer wieder abfackelt, gibt es in diesem Spiel leider nicht.

Für Abwechslung ist übrigens auch gesorgt. Es gibt diverse Fahrzeug-Einlagen. In einem Level darf man dann einen Kampfjet fliegen. Das ist nicht ganz so verquast wie am Ende von „Black Ops 2“, aber auch kein wirkliches Highlight. Irgendwie erinnerte es mich ein wenig an eine etwas unübersichtliche Variante der Hubschrauberszenen in „Black Ops“ oder „Modern Warfare 3“. Und dann darf man gegen Ende noch eine Art Mini-Mech steuern. Das fand ich nun wirklich ganz spaßig, muss ich zugeben. Zwar nicht sonderlich fordernd, aber spaßig.

Generell ging ich aus diesem Spiel mit dem guten Gefühl hinaus, einen tollen Shooter gespielt zu haben. Kein ultimatives Highlight, aber einen tollen Shooter.

Und nun stehen wir schon vor den drei „Call of Duty“-Teilen, die ich noch nicht kenne. „Black Ops 3“ hatte ich zwar einmal kurz angespielt, aber noch nicht weiter verfolgt. Damit werde ich dann heute Abend beginnen. Eigentlich könnte ich jetzt schon ein kleines Fazit ziehen, denn schließlich müsste ich die Frage, zu welchem Zeitpunkt „Call of Duty“ doof geworden ist, jetzt schon problemlos beantworten können. Aber wenn, dann will ich das auch richtig machen und wirklich alle bisherigen Teile berücksichtigen. Schließlich habe ich keine Ahnung, ob die letzten Teile totale Highlights sind oder ob sie komplett vergeigt wurden.

Falls sie vergeigt wurden, dann wäre dies hier nun der Moment, in dem „Call of Duty“ doof geworden ist. Falls sie aber in Ordnung sind, dann wird das Fazit etwas differenzierter ausfallen müssen.

Updated: 4. Juli 2017 — 13:58
© 2017 Niels Peter Henning

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